Occupy Hamburg rechts unterwandert

NATO-Desinformanten spalten sozialen Widerstand

- von RF  -

AKTUALISIERUNG 28.04.

Neue Stellungnahme von Occupy Hamburg

Das Gegenteil von Gut ist gut gemeint, sagt das Sprichwort. Gerade in der Politik und im gesellschaftlichen Umgang, dort wo Menschen betroffen sind und geschädigt werden können, sollte man bemüht sein, Bildung und Ambition in Einklang zu bringen. Wer nicht weiss, was er tut und dies noch lautstark, wird am Ende nichts als eine Verschlechterung der Ausgangslage zu bilanzieren haben.

Occupy Hamburg ist so ein Fall. Bei aller Sympathie die man dieser politischen Selbsterfahrungsgruppe auf Grund ihres Engagements entgegenzubringen bereit ist, so stößt das konkrete politische Wirken, das Kollateralschäden des eigenen politischen Versagens billigend in Kauf nimmt, doch eher ab.
Es gibt so etwas wie Anstand und Integrität, etwas, das den Charakter von Männern und Frauen auszeichnet, humanistische und emanzipatorische Grundwerte, die nicht irgendeinem vermeintlichen Zeitgeist unterworfen sind. Auf den Punkt gebracht: Haltung.
Das Scheitern des Menschlichen im Politischen gibt uns Zeugnis von der kulturellen Degeneration in unserer Gesellschaft. Über die ethische Kategorie hinaus ist der hier vorliegende Fall noch dazu politisch besonders kontraproduktiv.

Trotz gestriger Nachfrage unserer Redaktion bei Occupy Hamburg erhielten wir keine Mitteilung darüber, wer auf Grundlage welcher Legitimation offizielle Erklärungen im Namen von Occupy Hamburg abzugeben berechtigt ist.
Am späten gestrigen Abend veröffentlichte die Website von Occupy Hamburg eine neue Stellungnahme zu den aktuellen Vorgängen.
Wir fassen die wichtigsten Punkte zusammen:

1. Das linke Hip-Hop-Duo die bandbreite wird ausgeladen und nicht beim “Endless Summer Camp Festival” von Occupy Hamburg auftreten.

2. Occupy Hamburg hält die bandbreite nicht für rechtslastig, antisemitisch, sexistisch oder verschwörungstheoretisch.

3. Der Grund für die Ausladung der linken Gruppe die bandbreite ist, dass angeblich andere „Bands und Organisationen (wegen die bandbreite) nicht mehr am Festival teilnehmen wollten“.
Wer diese anderen „Bands und Organisationen“ sind und was deren Kritik ist, wurde nicht mitgeteilt.

4. “Antideutsche” Desinformanten der imperialen NATO, die missbräuchlich unter dem Namen “Antifa” (abgeleitet von Antifaschistische Aktion) auftreten, haben Desinformationsmaterialien an „die anderen auftretenden Bands geschickt“.
Dieser Druck von staatlicher Seite hat dann zur Absage anderer Teilnehmer geführt und dies wiederum zur Absage an die bandbreite seitens Occupy Hamburg.

Hier wurde massiver Druck aufgebaut, der beinhaltete, wenn die linke Gruppe die bandbreite nicht ausgeladen wird, werden wir euch medial in die Nähe von Nazis rücken und euch somit eure materielle Lebensgrundlage (bei kommerziellen Bands) oder politische Reputation (bei politischen Gruppen) vernichten.
Wir kennen dieses Muster geheimdienstlicher Operation. Es ist die Androhung (und ggf. Umsetzung) sozialer Repression, die darauf zielt, Existenzen zu vernichten.

Dass sich Occupy Hamburg zum willfährigen Opfer dieser Manipulationen aus Kreisen der imperialen Rechten (= Kartell der bürgerlichen Parteien pro imperiale NATO/USA/EU) gemacht hat, diskreditiert diese Gruppe als politische, emanzipatorische Bewegung.
Wir bleiben bei unserer Bewertung, dass Occupy Hamburg das Opfer rechter Unterwanderung geworden ist. Zwar wurde die Desinformationskampagne von aussen hinein getragen, diese konnte jedoch nur ihre Wirkung entfalten, indem sie von innen aufgegriffen wurde und erst dadurch ein Mehrheitsentscheid gegen die linke Gruppe die bandbreite herbeigeführt werden konnte.

Für eine Gruppe mit politischem Anspruch kann man ferner nicht gelten lassen, dass die Absage kommerzieller Bands einen relevanten Grund darstellt. Das mag für ein kommerzielles Popkonzert gelten, aber sicher nicht für politische Akteure, die von sich selbst behaupten: „Uns eint die Empörung über die herrschenden Zustände und der Wille zu einer gewaltfreien Revolution.“

Die Erklärung von Occupy Hamburg schwankt irgendwo zwischen Desorientierung und Zynismus. Sie bedeutet vor allem, dass man sich um eine politische Bewertung gedrückt hat und sich hinter anderen „Bands und Organisationen“ versteckt – und diese wiederum selbst völlig im Dunkeln bleiben.
Als Sozialisten fragen wir: Welchen Beitrag kann eine derart konzeptionslose und politisch naive Formation zur Revolution leisten?

 

AKTUALISIERUNG 27.04.

Debatte in Hamburg dauert an

Wie uns zwischenzeitlich Aktivisten aus Hamburg mitgeteilt haben, ist die Erklärung von gestern „kein offizielles Statement“.
Wir bleiben dran …

 

BERICHT vom 26.04.

Occupy Hamburg rechts unterwandert

Im Mai organisiert eine sich “Occupy Hamburg” nennenden Gruppe eine Veranstaltung unter dem Titel “Endless Summer Festival”, auf welcher auch das linke Hip-Hop-Duo die bandbreite aus Duisburg auftreten sollte.

Die Gruppe “Occupy Hamburg” definiert sich nach eigener Aussage so, Auszug: „Wir sind davon überzeugt, dass unsere gesellschaftlichen Regeln neu überdacht werden müssen und suchen nach Möglichkeiten, um endlich etwas gegen diese Probleme unternehmen zu können. Unser Camp, das sich jetzt auf dem Gertrudenkirchhof in der Hamburger Stadtmitte befindet, bietet ein Forum für einen offenen Dialog darüber. (…) Uns eint die Empörung über die herrschenden Zustände und der Wille zu einer gewaltfreien Revolution.“

Mit dem revolutionären Geist dieser Leute scheint es mehrheitlich nicht weit her zu sein. In den vergangenen Tagen haben NATO-Desinformanten der imperialen Rechten (= Kartell der bürgerlichen Parteien pro imperiale NATO/USA/EU), namentlich sog. “Antideutsche”, erneut versucht, einen Keil in den sozialen Widerstand zu treiben.
Zumindest innerhalb der Gruppe “Occupy Hamburg” hatten die Rechten mit ihren Spaltungsbestrebungen jetzt auch Erfolg – die linke Musikformation die bandbreite wurde wieder ausgeladen.
Folgende Erklärung veröffentlichte “Occupy Hamburg” heute:

Stellungnahme
Nach einem gestrigen (24.-25.04.) sehr kontrovers und differenziert geführtem Plenum ist der endgültige Stand der Dinge:
Die Bandbreite wird nicht bei uns auftreten.
Wir wollten die Bandbreite zu einer Diskussion statt zu einem Auftritt während des Festivals einladen, aber dies haben sie abgelehnt.
Selbstverständlich distanziert sich OccupyHamburg klar und entschieden von sexistischem, homophobem, faschistoidem und allem diskriminierendem Geist, Sprechen und Handeln.
Gleiches nehmen augenscheinlich auch die Bandbreite und die an der Diskussion Beteiligten für sich in Anspruch.

Hier zeigt sich einmal mehr, dass Naivität und mangelnde politische Erfahrung jede Bewegung zum Scheitern verurteilen.
Wer die herrschenden Verhältnisse, die imperiale Hegemonie und den Medien-Krieg nicht begreift, der wird zum handzahmen Bettvorleger für den Klassengegner.

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9 Kommentare zu

Occupy Hamburg rechts unterwandert

  1. Eva Adam 28. April 2013 - 18:52 #

    Rechts unterwandert????…es wäre mal nett, wenn nicht jede/r Revolutionär/in…auf schwachsinnige Behauptungen anspringt, wie ein Besoffener auf saurem Hering.
    Ich kenne etliche Leute die bei occupy HH aktiv waren und aktiv sind, dort konnte ich nicht im Ansatz sogenanntes “rechtes Gedankengut” feststellen, im Gegenteil….wir alle sollten mal von gewissen Einteilungen anfangen abstand zu nehmen und nicht noch die wenigen Menschen die überhaupt noch in diesem Land aktiv sind, mit einem solchen Hirnkrampf versuchen in die Enge zu treiben.
    Was hier auch niemand offensichtlich verstanden hat ist, dass occupy HH niemals als Gruppe gedacht war und auch keine Gruppe darstellt, sondern es als Bewegung zu verstehen ist und sein sollte. Und der Grund, warum sich occupy HH sich anfangs von festen Gruppen, Parteien und sonstigem fernhielt war, dass hier der Versuch unternommen wurde, etwas völlig Neues zu schaffen, fernab von alten Denkmustern, wie altbacken Links oder beknackt Rechts…von daher wohl die linkeste Bewegung, die es bis Dato gab.
    Das einzige Problem, welches diese Bewegung hatte, dass dort sich niemand als Alpha Tier aufgespielt hat und wenn aussortiert wurde und dadurch natürlich leichter anzugreifen ist, da es ja keine offiziellen Sprecher gibt.
    Und natürlich gibt es auf dem Camp bestimmt jemanden der behauptet, dass es die BRD nicht gibt, ist vom Inhalt her aber nichts anderes, wie der Spruch ” nie wieder Deutschland”…wenn man dort auf Behauptungen treffen sollte die von rechten Freaks oder sogenannten “Nazis” ebenfalls genutzt werden steht die Frage im Raum “was tun wir wenn Nazis behaupten, 1+1 ist gleich 2?” werden wir als Aufgeklärte Menschen von einem unabrückbarem mathematischem Gesetz abstand nehmen? Ich hoffe mal nicht….da die sogenannten möchtegern Nazis sich nun auch als “Black Block” verkleiden scheint wohl nun nach dieser Logik die Zeit gekommen zu sein…sich ein neues outfit zu zulegen…
    Also um es kurz zu halten?…wann gab es das schon mal in HH, dass mitten in der Innenstadt ein Zeltdorf stand?…bewegt Euch dort hin und nutzt die gemeinsame Chance einen Neuanfang im Herzen Hamburgs zu wagen.

    • Marc 28. April 2013 - 19:36 #
      Marc

      Gut gebrüllt Löwe. ändert aber nix an dem was in dem Artikel richtigerweise gesagt wird, da geht ihr klar nicht drauf ein.
      Der Umgang mit der Bandbreite ist eine Schweinerei.
      Und noch schlimmer ist dass man gar nicht begriffen hat was da passiert ist und die eigene Verantwortung nicht sehen will.

      Und diese ominöse “Antifa” das sind keine Linken sondern inszenierte Desinformation. Das ist kein Ideologienstreit zwischen Leuten die kein Durchblick haben, sondern das ist von den Herrschenden bezahlte Aktionen um ahnungslose Hillbillys zu verwirren. Klappt ja bei manchen auch.
      Nee Leute, so nicht! Politik muss man ernst nehmen, das ist kein Kindergarten, muss man schon mal bisschen die grauen Zellen anwerfen.

    • Dirk 28. April 2013 - 19:56 #
      Dirk

      @ Eva Adam

      wenn man dort auf Behauptungen treffen sollte die von rechten Freaks oder sogenannten “Nazis” ebenfalls genutzt werden steht die Frage im Raum “was tun wir wenn Nazis behaupten, 1+1 ist gleich 2?”

      in dem bericht von rote fahne geht es gar nicht um nazis.
      es geht um “imperiale Rechte” – nicht “nationale rechte”
      rote fahne hat gar nicht den nazi-vorwurf gemacht.

      zum verständnis: mit imperiale rechte ist in dem fall diese fake-antifa gemeint

  2. Bianca 28. April 2013 - 19:13 #

    Mangelnde politische Erfahrung kann man der Occupy-Bewegung durchaus nachsagen. Aber doch nicht vorwerfen.
    Jeder muss mal anfangen, Erfahrungen zu sammeln, und dazu gehören manchmal auch schmerzhafte, wie im Fall der Bandbreite.
    Schön, dass die Bandbreite die Diskussion bei Occupy ernst genommen und sich mit Occupy solidarisch erklärt hat.

    • Marc 28. April 2013 - 19:38 #
      Marc

      Die Bandbreite sind halt freundliche Profis, das macht den Unterschied zu occupy hh aus.
      Aber auf Verständnis von den Leuten würde ich an eurer Stelle mal nicht hoffen nach der Aktion.

  3. Aaron 29. April 2013 - 09:34 #

    @Dirk:
    Woran erkenne ich denn die “echte” antifa?
    Und was mir da gerade noch einfällt. Kann der Autor dieses Artikels die Behauptungen in irgendeiner Art und Weise belegen?
    Vor allem Nachweise für Punkt 4 würden mich brennend interessieren! Wo und auf welche Art sind die Verbindungen von Nato und Antifa Aktivisten dokumentiert? Gab es bereits Fälle, wo ein solches Vorgehen bekannt wurde?
    Wie sieht die Einflussnahme der Nato genau aus? Werden nur einflussreiche Aktivist_innen bezahlt oder wird selbst über “V-Leute” Einfluß genommen?
    Woran erkennen ich, dass Aktivis_innen, die sich als Antifa ausgeben von Nato-Desinformanten unterwandert sind?

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