Endlich über Israels Atomwaffen reden

Atomwaffenstaat in der Region beim Namen nennen - von Xanthe Hall

- von Presseticker  -

X anthe Hall ist Abrüstungsexpertin der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW). Der Nachstehende Artikel ist ein Auszug aus einem Gastbeitrag zu Israels Atomwaffen in der heutigen Frankfurter Rundschau.

Eine Konfliktlösung soll eine “Win-Win-Situation” schaffen. Mit der neuen Iran+P5+1-Vereinbarung ist das gelungen: Alle Beteiligten und Betroffenen haben einen Gewinn erzielt. Das gilt sogar für Israel, obwohl Premier Benjamin Netanjahu etwas anderes sagt. Denn diese Vereinbarung erlaubt es dem Iran, weiter Uran anzureichern.

Das ist für das Selbstbewusstsein des Landes sehr wichtig. Darüber hinaus werden die Sanktionen gelockert und gleichzeitig beide Wege zur Atombombe – über Uran oder Plutonium – effektiv versperrt, zumindest für die kommenden sechs Monate.
Vertrauen ist gut, aber tägliche Kontrolle ist besser und die wurde auch vereinbart. (…)

Kampfjets des zionistischen Regimes "Israel"

Kampfjets des zionistischen Regimes “Israel”

An der Vereinbarung mit dem Iran könnte Israel sich ein Beispiel nehmen und mehr Transparenz über sein Atomprogramm wagen. Iran erlaubt den Inspektoren der IAEO Zutritt zu den Urananreicherungsanlagen, den Zentrifugen-Fabriken sowie einer Reihe anderer Anlagen und stellt ihnen Bauunterlagen des Arak-Reaktors zur Verfügung.
Wie wäre es mit einem Zugang zu dem Atomreaktor bei Dimona?

Am 08. Dezember wird die IAEO die Schwerwasserfabrik in Arak inspizieren. Dem Abkommen zufolge wird der Reaktor für die nächsten sechs Monate stillgelegt. Obwohl die Inspektoren den Reaktor bereits regelmäßig überwacht haben, ist die Einladung des Iran an die IAEO, auch die Produktionsanlage für Schwerwasser zu kontrollieren, ein bedeutender Schritt.
Ein Erfolg bei dieser Inspektion ist ein Lackmustest für die Einigung insgesamt.

Auch in Israel gibt es Anlagen, über deren Produktion mehr Transparenz wünschenswert wäre. Im Negev Atomforschungszentrum – auch als “Dimona” bekannt – soll es angeblich einen Schwerwasserreaktor, eine Wiederaufarbeitungsanlage zur Herstellung von Plutonium, Urananreicherungsanlagen sowie eine Fertigungsanlage für Bombenkomponenten geben.

Aber: Dimona wird nicht von der IAEO überwacht, weil Israel kein Mitgliedstaat des Atomwaffensperrvertrags ist. Der Iran ist Mitglied und wird deswegen kontinuierlich überwacht. So hat die IAEO überhaupt erfahren, dass im iranischen Atomprogramm Unregelmäßigkeiten bestehen.

Im Koalitionsvertrag schweigen sich Union und SPD über das israelische Atomwaffenprogramm aus. Es heisst: „Ein nuklear bewaffneter Iran stellte eine Gefahr für die gesamte Region und darüber hinaus dar und würde den weltweiten Bemühungen um Abrüstung und Nonproliferation schweren Schaden zufügen.“

Über die Atomwaffen Israels verlieren die Politiker kein Wort, obwohl sie Teil des Problems sind.

Es ist falsch, die Massenvernichtungswaffen eines Staates getrennt von denen des anderen zu betrachten. Sie bedingen einander. Deshalb brauchen wir eine Zone frei von Massenvernichtungswaffen im Nahen und Mittleren Osten. (…)

Jetzt wäre es an der Zeit, Israel erneut aufzufordern, seine Bereitschaft zur Teilnahme an einer Konferenz zur Errichtung einer Zone frei von Massenvernichtungswaffen im Nahen Osten zu erklären.
Die Konferenz ist wesentlich für das Überleben des Atomwaffensperrvertrags, der momentan das einzige Hindernis gegen eine Welt mit einer wachsenden Zahl von Atomwaffenstaaten darstellt.

Iran kann nicht für immer der alleinige Buhmann bleiben, irgendwann müssen wir den einzigen De-facto-Atomwaffenstaat in der Region beim Namen nennen.

RF/IPPNW/FR

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