Wolfgang Harich – Siegfried Prokop und Peter Feist im Gespräch

Prof. Dr. sc. phil. Siegfried Prokop und der marxistische Philosoph Peter Feist im Gespräch mit Prof. Dr. Michael Vogt zum Thema Wolfgang Harich

- von RF  -

P rof. Dr. Wolfgang Harich (1923 – 1995) gehörte im Jahr 1992 als prominentes Mitglied der alten KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) zu den Initiatoren der Wiederherausgabe der Zeitung Die Rote Fahne, die durch das ZK der KPD (Initiative) beschlossen wurde.

Prof. Dr. sc. phil. Siegfried Prokop und der marxistische Philosoph Peter Feist im Gespräch mit Prof. Dr. Michael Vogt zum Thema Wolfgang Harich. Rudolf Bahro und Robert Havemann zählen heute zu den bekannteren linken Kritikern in der DDR. In der bürgerlichen Historiographie wird der Philosoph Wolfgang Harich hingegen weitestgehend ausgeblendet.

Wolfgang Harich – Siegfried Prokop und Peter Feist im Gespräch mit Michael Vogt

Kennern der Materie gilt Wolfgang Harich als der bedeutendste und widersprüchlichste und einer der mutigsten marxistischen Intellektuellen der DDR.

Bereits während seiner Militärzeit in der Wehrmacht wurde er wegen “unerlaubter Entfernung von der Truppe” bestraft, anschliessend desertierte er 1944 und tauchte unter. 1956 rief Harich zur Reform des Sozialismus auf, mitsamt eines Sturzes Walter Ulbrichts, Auflösung der Stasi, freie Wahlen und einer Allianz der Kommunisten mit der SPD. Am 29. November 1956 wurde Harich verhaftet und entging der Todesstrafe nur knapp. Er wurde zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, von denen er acht Jahre absitzen musste.

Dies änderte jedoch nichts an seinem kritischen Wirken. Ab den 70er Jahren beschäftigte er sich verstärkt mit ökologischen Problemen, nutzte dabei bereits von Marx publizierte Theorien, welche Ökonomie und Ökologie sinnvoll verbanden und stieß dabei mit seinem Buch “Kommunismus ohne Wachstum” und Termini wie “Öko-Faschismus” auf massive Kritik, da auch dies nicht in das ideologische Weltbild der DDR-Führung passte.

Deutschlandpolitisch erwies sich Harich stets als Querdenker, der weder für die US- und BRD-Position eines Sich-Einrichtens in der Spaltung noch der DDR-Position von einer eigenen sozialistischen deutschen Teil-Nation zu gewinnen war.
Auch nach der sog. “Wiedervereinigung” Deutschlands blieb er seiner politischen Einstellung treu und kritisierte u.a. den realpolitischen Vorgang als Annexion der DDR durch die BRD.

Prof. Dr. Wolfgang Harich

Prof. Dr. Wolfgang Harich

Prokop und Feist kannten den 1995 verstorbenen Wolfgang Harich noch persönlich. Im Gespräch mit Michael Vogt können beide daher nicht nur über die bekannten Fakten zu Harichs Leben und Wirken berichten, sondern auch über die Person selbst.
So beschreibt Prof. Prokopp (Verfasser der Autobiographie von Wolfgang Harich “Ich bin zu früh geboren: auf den Spuren Wolfgang Harichs”) ihn als einen klassischen Querdenker mit einem durchaus komplizierten und starken Charakter.
Peter Feist attestiert Harich Geradlinigkeit in seiner Arbeit und politischen Einstellung, trotz vieler Nackenschläge die er erleiden musste. Sie berichten über einen deutschen Patrioten zwischen den Fronten von Kapitalismus und Kommunismus, der es nicht verdient hat, in Vergessenheit zu geraten.

siehe auch

→ Kommunistische Parteien brauchen kein Fraktionsverbot, Prof. Dr. Wolfgang Harich, Die Rote Fahne 01.05.1993
→ Wolfgang Harich Biographie

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2 Kommentare RF direkt zu

Wolfgang Harich – Siegfried Prokop und Peter Feist im Gespräch

  1. Rainer Thiel 17. Juli 2015 - 00:08 #

    Liebe Genossen, ich kannte Wolfgang Harich in der Zeit, als er noch nicht 40 war. Nach der Wende kam mir nicht nur die Rede von Honecker zu Gesicht, die dieser im Januar 1957 auf der 30. ZK-Tagung gehalten hatte, sondern auch das konzeptionelle Papier, das Harich betr. DDR an die Parteiführung gerichtet hatte. Das habe ich verarbeitet in meinem Buch “Marx und Moritz – Unbekannter Marx, Quer zum Ismus”, Kapitel 13. (trafo verlag 1998 und 1999)
    Darüber habe ich auch mit Siegfried Prokop gesprochen mit dem Vorschlag, noch ein paar fehlende Recherchen anzustellen und mit der Bitte, mich zu informieren. Obwohl ich mit Siegfried Prokop befreundet bin, auch viele e-mails ausgetauscht habe, ist mir von ihm keine Info zuteil geworden.
    Ich würde mich freuen, von Euch zu hören. Dann würde ich Euch auch noch mehr Stoff zugängig machen, der Euch noch nicht bekannt sein dürfte. Momentan versuche ich, in Storkow endlich mal wieder etwas in Gang zu bringen. Seit dem großartigen Schülerstreik im Jahre 2000 ist hier nichts wieder gelungen.
    Mit brüderlichen Grüßen
    Rainer Thiel

    • RF 17. Juli 2015 - 01:45 #
      RF

      Danke, wir haben die Nachricht weiter geleitet.

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