Pegida und Friedenswinter – aus zwei Holzwegen wird keine Strasse

Stellungnahme des Chefredakteurs der Roten Fahne

- von Stephan Steins  -

V on verschiedenen Seiten wurde an Die Rote Fahne herangetragen, sich zu den Themen Pegida und Friedenswinter zu äussern. Eigentlich sind unsere Positionen bekannt und unter anderem → hier und → hier nachzulesen.
Gleichwohl nachstehend nochmal eine kurz zusammengefasste Einschätzung meinerseits als Chefredakteur der Roten Fahne.

KPD - Schluss mit diesem System, Reichstagswahl 1932

KPD – Schluss mit diesem System, Reichstagswahl 1932

Pegida

Die Gruppe Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) wendet sich ausweislich ihres Namens gegen „die Islamisierung des Abendlandes“ bzw. Europas. Das ist jedoch die Sprache der NATO-Desinformation und des herauf-beschworenen Kulturkampfes.

Das real existierende Problem der Masseneinwanderung, Überfremdung und in letzter Konsequenz des Ethnozids gegen den germanischen Kulturraum hat mit der Religion Islam, wie auch immer man diese definieren möchte, nichts zu tun.
Pegida suggeriert, der Islam sei das handelnde Subjekt, dabei ist nichts falscher als das.

Die Masseneinwanderung nach Europa ist ein Instrument unter mehreren des heutigen globalen Imperialismus zur Desintegration des Modells der bürgerlich-demokratischen Republik der Europäischen Aufklärung.
Es handelt sich dabei um imperiale Geostrategie mit dem Ziel, die souveränen nationalstaatlichen Republiken zu zerschlagen bzw. schrittweise aufzulösen. Könnte sich das Imperium bei dieser Zielstellung auch massenweise Chinesen bedienen – wie dies übrigens auch mit Afrikanern und anderen Ausländern geschieht, die mit der Religion Islam gar nichts am Hut haben – und diese rund um den Globus verfrachten, dann wären diese Chinesen als Opfer der imperialistischen Geostrategie die missbrauchten Objekte – nicht Subjekte – der Masseneinwanderung.
Analog zu Pegida müsste es dann wohl heissen: Europäer gegen die Maoisierung des Abendlandes.

Das politische Versagen Pegidas besteht darin, dass sie sich gegen Personengruppen wenden, anstatt gegen den eigentlich verantwortlichen Imperialismus und sein Kriegskommando NATO.
Das lässt sich so erklären, dass die Pegida-Macher fern jeder Kapitalismuskritik stehen. Kritik am Imperialismus, ebenso wie jene am Faschismus, korrespondiert jedoch unweigerlich mit Kritik am Kapitalismus, welcher durch die private Kapitalakkumulation die ökonomische Grundlage der imperialen Entwicklung inklusive Masseneinwanderung bildet.

Friedenswinter

Der sog. Friedenswinter ist ein Trojanisches Pferd zur Verhinderung einer effektiven Friedensbewegung in Deutschland, vorangetrieben durch die pseudolinke sog. Linkspartei.
In seinem Aufruf bzw. Forderungen heisst es zu dem zentralen Thema der Friedensbewegung seit den 50er Jahren: „Für eine Zukunft ohne NATO“

Das können die katholische Kirche und andere Religionen besser; den Verweis auf das Himmelreich jenseits des Diesseitigen. Was bereits seit den 1950er Jahren und ebenso heute der Schwerpunkt und die einzige friedenspolitische Orientierung mit einer realen Handlungsperspektive ist, ist die unmissverständliche Forderung nach Austritt aus dem US-Kriegskommando NATO.
Wir wollen eine Gegenwart ohne NATO!, nicht eine nebulöse Zukunft. Viele übersehen dabei, dass im Nachbarland Frankreich der NATO-Austritt aktuell als ein Schwerpunktthema der politischen Opposition lagerübergreifend diskutiert wird und in den kommenden Jahren reale europäische Politik werden kann.

Für ihre Forderung Raus aus der NATO und für einen Friedensvertrag nach dem internationalen Völkerrecht, der Deutschland bis heute vorenthalten wird, wurde die KPD 1956 verboten.

Kein Austritt aus der NATO – SED/PDS/Linke bleibt auf imperialem Kurs
Gregor Gysi im ARD-Sommerinterview mit Ulrich Deppendorf und Rainald Becker

Was ist die Motivation der sog. Linkspartei, den Friedenswinter zu unterstützen?

Das lässt sich schlüssig erklären: Die sog. Linkspartei will sich ihre Koalitionsfähigkeit mit den Hartz IV-, Kriegs- und NATO-Parteien SPD und Grüne auf Bundesebene erhalten.
Die Pseudolinke steht also vor zwei Optionen bzw. Problemen, falls sich eine echte Friedensbewegung unter der zentralen Losung Raus aus der NATO! bildet:
1. Entweder sie schliesst sich dieser wirklichen Friedensbewegung an, dann würde die sog. Linkspartei aus den NATO-Medien und dem kommerziellen bürgerlichen BRD-Politbetrieb verbannt,
2. sie schliesst sich nicht der Friedensbewegung an, dann würde die Pseudolinke ihre Wählerschaft einbüßen,
- in beiden Fällen würde die Partei bundesweit unter 5 Prozent fallen und der Funktionärskader seine gut bezahlten Jobs verlieren.

So oder so für die sog. Linkspartei ein Dilemma, welches nur dadurch aufgelöst werden kann, dass nominell eine Friedensbewegung entsteht, welche die Leute zwar beschäftigt und auf Trapp hält, jedoch ohne reale politische Handlungsperspektive bleibt.
Es geht also einmal mehr darum, politischen Widerstand ins Nirgendwo zu kanalisieren.

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10 Kommentare RF direkt zu

Pegida und Friedenswinter – aus zwei Holzwegen wird keine Strasse

  1. TorstenS 6. Januar 2015 - 10:44 #

    Ich stimme dem Artkel voll zu.
    Links-Partei und AFD sind nur Ruhigsteller.Das sage ich als ehemaliges AFD-Mitglied.
    Bei uns nisteten sich Spitzel des “Verfassungsschutzes” ein.
    Spalten und spionieren ist deren Aufgabe.

    Man bemerkt bei Griechenland, da es nicht mehr austreten darf, den EU-Faschismus.

    Russland oder Putin ist nicht der Aggressor.
    Auf YouTube,de gibt es klasse Filme von “Jasinna”.
    Ich bin dank der RF auf die homurvoll-intelligente Frau aufmerksam geworden.
    Ein näherer Blick auf WLADIMIR PUTIN: https://www.youtube.com/watch?v=tokF2iXdanU

  2. Julian 6. Januar 2015 - 11:07 #

    Hallo Rote Fahne,
    Bezüglich PEGIDA stimme ich euch absolut zu, man sollte seine Kraft und Wut auf die Regierung nicht damit verschwenden gegen Minderheiten vorzugehen und somit von den realen Problemen ablenken. Die Flüchtlinge sind nur ein Symptom unserer Politik in Afrika und Arabien. Es würde mich nicht wundern wenn PEGIDA sogar vom Staat gewollt ist, um die Wut auf die Politik der Bürger auf eine Minderheit abzulenken.

    Allerdings habe ich andere Ansichten beim “Friedenswinter”. Für mich ist es zur Zeit die Einzige Gruppierung, die auf die wirklichen Probleme aufmerksam macht. Die NATO (natürlich ist der “Friedenswinter” auch gegen die NATO in der Gegenwart, ich glaube über das Wort Zukunft wurde sich schlicht keine Gedanken gemacht) ist nur eines von vielen Problemen, gegen die die Bewegung Flagge zeigt. Ich erkenne auch keine klare Verbindung zur Partei “die Linken”, schließlich wurden die Montagsdemos (aus denen der “Friedenswinter” einige Menschen mobilisiert) auch von dieser Partei als Nazis diffamiert.
    Zum letzten Punkt, dass diese Friedensbewegung keine politische Handlungsperspektive hat. Hier hört es sich so an als würden Demonstrationen keinen Sinn machen, aber wenn man soweit geht, was bleibt einem dann noch übrig um Widerstand zu leisten, außer auf sich selbst zu achten? Für mich klingt das irgendwie entmutigend, da ich Demonstrationen, werden sie groß genug als guten Weg des Widerstands empfinde.
    Freue mich auf Rückmeldung :)

    • RF 6. Januar 2015 - 12:17 #
      RF

      Der sog. “Friedenswinter” erstand als direkte Reaktion hierauf:
      → FRIEDENSBEWEGUNG – CHARTA 2015

      Wir hatten die Unterzeichner des “Friedenswinter” aus der sog. Linkspartei und deren Umfeld Wochen vorher direkt angeschrieben, um diese als Erstunterzeichner für die Charta 2014 zu gewinnen.
      Daraufhin mobilisierte die sog. Linkspartei Dehm und Wagenknecht, um den “Friedenswinter” zu ermöglichen und der Charta 2014 den Wind aus Segeln zu nehmen. Die übrigen Beteiligten aus der Friedensbewegung sind sofort auf diesen Zug aufgesprungen, wegen der prominenten Namen, weil sie das als politischen Erfolgt verbuchen konnten.
      Sie haben aber dabei übersehen, dass es der Linkspartei (die für solche “Bündnisarbeit” immer auf die jeweilige Szene zugeschnittene Leute parat hält) nur darum ging, die Forderung Raus aus der NATO! aus der Friedensbewegung heraus zu halten – wegen der Option der Regierungsbeteiligung mit den Hartz IV-, Kriegs- und NATO-Parteien SPD und Grüne auf Bundesebene.
      Die reale politische Handlungsperspektive Raus aus der NATO! ist die einzige friedenspolitische Orientierung von Relevanz, alles andere ist nur schmückendes Beiwerk.

  3. Julian 6. Januar 2015 - 12:43 #

    Gerade Dehm und Wagenknecht sehe ich in der Linkspartei noch als die Echtesten unter ihnen. Schade das wieder nicht alle Linken an einem Strang ziehen können wegen ständiger differenzen. Das soll kein Angriff an euch sein, nur ein Zeichen meiner Entäuschung darüber, dass es wohl doch noch lange dauern wird bis den Lobbyisten endlich das Handwerk gelegt wird.

    • RF 6. Januar 2015 - 13:01 #
      RF

      Gerade Dehm und Wagenknecht sehe ich in der Linkspartei noch als die Echtesten unter ihnen

      Genau deswegen hat der Friedenswinter-Coup auch funktioniert.

      • Hardo 9. Januar 2015 - 10:43 #

        Ausgrechnet Dehm, der als IM Willy Wolf Biermann observiert hat bis dieser von seinen stalinistischen Genossen verjagt wurde. Der ist nur in Sachen Hionterhältigkeit echt. Und die Kreide fressende … Wagenknecht möcht ich auch nicht mit Macht über andere Menschen ausstatten.

  4. Hardo 9. Januar 2015 - 10:49 #

    Ich kann akzeptieren, dass Sie meinen Kommentar nicht veröffentlicht haben. Ich gehe in meiner Kritik zu den theofaschistischen, monotheistischen Altreligionen zugegeben sehr weit. Aber sollten Sie Ijhre Haltung zu diesem Thema vielleicht nicht mal überprüfen. Mordaufrufe an Anderdenkenden in Koran und Talmud sind nun mal kein Kavaliersdelikt in einer modernen, zivilisierten Welt. Schauen Sie ggf. in mein Facebook Auftritt unter meinem vollen Namen Bernhard W. Tkocz (alias Hardo) die entsprechenden Post und meine Details über mich an.
    Ich grüße Sie.

  5. Entwicklungen 10. Januar 2015 - 14:44 #

    Danke, endlich mal jemand der germanischer Kulturkreis in den Mund nimmt, wobei die Argumentation ‘Islam’ fälschlich (absichtlich?) Hautaugenmerk (Islamisierung), damit völlig nach zu vollziehen ist.
    Und aus den Werten des germ. Kulturkreises: u.a. Wahrheit, Treue
    läßt sich sich was besseres ableiten als PEGIDA.

  6. Julian 25. Januar 2015 - 14:28 #

    Ich habe jetzt noch nicht rauslesen können, welche Indizien es gibt, dass der Friedenswinter ein Trojanisches Pferd sei…
    Es wird angeführt das die einen für eine Zukunft ohne NATO die anderen für den Austritt aus der NATO stehen. Faktisch geht die neue Vorderung nur einen Schritt weiter und fordert sogar die Auflösung.
    Ich würde gerne mal die Argumentation dahinter erklärt bekommen.

    • RF 25. Januar 2015 - 15:07 #
      RF

      Die Erklärung für den zentralen Punkt Austritt aus der NATO versus “Auflösung” findet sich u.a. hier:

      → Was ist eigentlich eine Friedensbewegung?

      Kurz zusammengefasst:

      „Lassen Sie sich nicht von Desinformanten einreden, man müsse die Auflösung der NATO fordern, weil dies ja viel weiter ginge, als “nur” ein Austritt.
      Das ist deswegen falsch, weil wir hier in Europa die NATO garnicht auflösen können. Die NATO ist ein Kommando des US-Kriegsministeriums Pentagon und kann nur durch die USA aufgelöst werden. Sie müssten also schon darauf warten, dass entweder die USA zusammenbrechen oder sich in den USA eine Revolution vollzieht. Das sind jedoch für eine deutsche Friedensbewegung Themenfelder weit ausserhalb ihres Wirkungsbereichs.

      Den ganz konkreten und mit Abstand grössten Beitrag, den wir in Deutschland für den Frieden und die internationale Solidarität leisten können, ist aus der imperialen NATO auszutreten. Kein anderes friedenspolitisches Projekt ist dringlicher und wirkmächtiger.
      Und dieses Ziel ist auch erreichbar, dafür lässt sich mittlerweile eine gesellschaftliche Mehrheit gewinnen. Vielleicht nicht gerade kurzfristig, so doch mittelfristig.“

      Und siehe auch:

      Kein Austritt aus der NATO – SED/PDS/Linke bleibt auf imperialem Kurs
      Gregor Gysi im ARD-Sommerinterview mit Ulrich Deppendorf und Rainald Becker

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