Politische Ökonomie – sozialistische Wirtschaft und Humanismus in der DDR

Dr. Klaus Blessing und Katrin Rohnstock im Gespräch mit Prof. Dr. Michael Friedrich Vogt

- von Prof. Dr. Michael Friedrich Vogt  -

B lühende Landschaften hatte Helmut Kohl für die DDR prognostiziert, wenn nun denn endlich die marode DDR-Wirtschaft beseitigt worden wäre. Wie von vielen anderen Prognosen ist auch von dieser nicht so viel übrig geblieben. Das was sich in den Köpfen der Menschen aber festgefressen hat, ist das Bild einer ineffizienten und kaputten DDR-Wirtschaft, die dringend der Hilfe aus dem Westen bedurfte, um ein kapitalistischen System zu etablieren.

Die Wahrheit sah anders aus. Dr. Klaus Blessing, ehemaliger DDR-Industriestaatssekretär, und Katrin Rohnstock, deutsche Literatur- und Sprachwissenschaftlerin, Publizistin, Autorin und Gründerin der Firma Rohnstock Biografien, sprechen über die Veruntreuung der Treuhand, von einem Ausverkauf einer anders strukturierten, aber durchaus leistungsfähigen Wirtschaft, denn das Kohl’sche Bild ist schief, ist westliche BRD-Propaganda.
Immer wieder ist über die DDR-Wirtschaft zu lesen, ohne den ‘Wendeherbst’ von 1989 wäre unweigerlich ihr baldiger Kollaps eingetreten. Nur wenige stellen diese seit mehr als 20 Jahren kolportierte These in Frage.

Was können wir aus der DDR-Wirtschaft lernen?
Dr. Klaus Blessing und Katrin Rohnstock im Gespräch mit Prof. Dr. Michael Friedrich Vogt

Die Anthologie „Was können wir aus der DDR-Wirtschaft lernen?“ rückt die wirklichen Verhältnisse in den Fokus. Wirtschaftstheoretiker wie Christa Luft und Klaus Blessing und Wirtschaftspraktiker, dazu gehören die in diesem Buch versammelten Kombinatsdirektoren, in deren Verantwortungen ehedem zehntausende Beschäftigte arbeiteten, berichten aus ihren Erfahrungen und zeigen die Realität in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit.

Die Fachleute aus der Praxis melden nicht nur begründete Zweifel an der medial kolportierten Kollaps-These an, sondern schildern mit viel Sachverstand, was auch heute noch aus diesem reichen Erfahrungsschatz zu lernen ist.

Dr. Blessing geht auch auf den humanistischen Anspruch einer sozialistischen Volkswirtschaft ein, ebenso wie auf Defizite des Models der zentralen DDR-Planwirtschaft.
Heute gilt es, aufbauend auf der Auswertung der gesammelten historischen Erfahrungen, über die Perspektive einer humanistischen, sozialistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung neu nachzudenken.
Dabei dürfen die gesellschaftliche Macht- und Eigentumsfrage kein Tabu sein, so Dr. Klaus Blessing.

Dr. oec. Klaus Blessing, geb. 1936 in Liegnitz (Schlesien); Diplomwirtschaftler, Ingenieur, Dr. rer. oec.; von 1958 bis 1970 Ökonomische Funktionen in metallurgischen Betrieben der DDR; ab 1970 Abteilungsleiter und ab 1980 Staatssekretär im Ministerium für Erzbergbau, Metallurgie und Kali; 1986/90 Abteilungsleiter Maschinenbau/Metallurgie im ZK der SED.

→ Klaus-Blessing.de

→ Rohnstock-Biografien.de

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2 Kommentare zu

Politische Ökonomie – sozialistische Wirtschaft und Humanismus in der DDR

  1. Fx 27. April 2014 - 20:07 #

    Sehr interessant, danke für die Veröffentlichung!

  2. Anarchist 5. Oktober 2014 - 19:58 #

    Das Problem waren und sind die obrigkeitsstaatlichen Strukturen mit dem Gruppenegoismus der Herrschenden.

    Leider wird all zu oft in deutschen Schulen und Universitäten von einer Forderung des Grundgesetzes schon auf deren Realisierung geschlossen. Die Realität wird nicht auf den Prüfstand gehoben, im Gegenteil. Wer in Deutschland nach der Verfassungswirklichkeit gefragt wird, pflegt oftmals nur das Grundgesetz aufzuschlagen, um dann zu behaupten, dass das Wirklichkeit ist, was nach der Zielvorstellung des Grundgesetzes Wirklichkeit sein soll, allein weil es dort so geschrieben steht. Das ist irreführend…. Die Organisationsstrukturen des kaiserlichen Obrigkeitsstaates blieben bis heute erhalten (vgl. http://www.gewaltenteilung.de/idee). Ein Problem war und ist der einseitige Gebrauch und Missbrauch von Macht und Recht (vgl. auch http://ubt.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2011/695/pdf/25_Kopp_EBook.pdf). Es lag nicht an Parteien wie der NSAP oder der SED.

    Für den Bürger waren die heimlichen Aktivitäten der DDR-Führung und der Stasi durch den Volksmund und das Fernsehen der BRD relativ durchsichtig gewesen. Nach heutiger Erkenntnis ist das bundesdeutsche System zur Verdummung der Bürger wesentlich ausgeklügelter. Besonders im Justizwesen wird ganz krass die Parallelwelt zur offiziell propagierten Demokratie deutlich. Dieses System ist psychologisch durchdachter und hat den Vorteil in allen wesentlichen Parteien, Vereinigungen und Medien ihre Leute in der Führung sitzen zu haben. Zudem haben diese Herrschaften die Absicht, ein Ausbeutungs- und Unterdrückungssystem zu schaffen, dass Analogien zum Nationalsozialismus vermuten läßt. Anzeichen dafür sind jedenfalls vorhanden. Ein Staat ist nicht demokratisch, wenn unter der Oberfläche unlegitimierte und despotische Kräfte das Ruder in der Hand haben. ……
    Gerichtlichen und behördlichen Entscheidungen (nebst Justizministerien, Petitionsausschüssen etc.) fehlt wegen Verdrehungsabsicht zumeist eine plausible Begründung, oft sogar die Sachbezogenheit. Hauptverantwortlich für das perfide Rechtschaos mit Methode sind die Parlamentsabgeordneten, das Bundesverfassungsgericht und auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (von http://unschuldige.homepage.t-online.de/default.html).

    Zeugenaussagen von ehemaligen Richtern:
    Unzählige Kollegen erlebt, “die man schlicht ‘kriminell’ nennen kann” (z.B. http://www.odenwald-geschichten.de/?p=1740 und http://de.wikipedia.org/wiki/Sachsensumpf ).
    Rechtsbrüche und Rechtsbeugungen sind systemkonform (vgl. z.B. http://volksbetrugpunktnet.files.wordpress.com/2012/12/justiz.pdf ).
    Welche Rechtsverletzungen Richter auch immer begehen mögen, ihnen droht kein Tadel. Alles wird “kollegialiter” unter den Teppich des “Kernbereichs der richterlichen Unabhängigkeit” gekehrt – http://www.odenwald-geschichten.de/?p=682.
    Einen Rechtsstaat, wie er den Verfassern des Grundgesetzes vorgeschwebt hat, den haben wir nicht, und wir entfernen uns ständig weiter von diesem Ideal. (vgl. http://www.hoerbuchkids.de/hu/mr/homepage/justiz/info.php?id=134 ). Dass der Rechtsstaat nur Fiktion ist, kann man unter http://www.odenwald-geschichten.de/?p=682 nachlesen.
    Feststellungen von Wissenschaftlern:
    Die Diktatur hat sich schon hinreichend bewaffnet, jedenfalls hat sie alle Organe des Staates fest in ihrer Hand (vgl. http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/prof-dr-karl-albrecht-schachtschneider/ein-weiterer-schritt-zur-diktatur.html). Was wir bekommen ist noch viel schlimmer als STASI und GESTAPO zusammen, stellt Prof. Albrecht fest- https://www.youtube.com/watch?v=uOT1CkVyS18.
    Feststellungen der Verhaltensforschung:
    Nach dem Stanford-Prison-Experiment zeigt ein Drittel sadistisches Verhalten (vgl. http://www.filmszene.de/kino/e/experiment.html). Nach der „Verhaltensforschung in Führungsetagen“ werden Kritiker geächtet und Heuchler gefördert (vgl. http://www.quality.de/quality-forum/2003/messages/4400.htm) und nach einer Studie sind über 60 Prozent der deutschen Führungskräfte neurotisch gestört (vgl. http://www.vpsm.de/index.php/wir-ueber-uns/medien-echo/13-aktuell/artikel-presse/76-mobbing-kampf-um-die-jobs-mit-allen-tricks-stern-leitartikel-01-00).
    Es wäre an der Zeit, dem Verhalten angepasste Änderungen herbeizuführen, um gefährliche egoistische Interessen einschließlich des Gruppenegoismus der Herrschenden zu unterdrücken. Die Zulassung von bundesweiten Volksabstimmungen wäre ein erster Schritt.

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