Weil Du arm bist, musst Du früher sterben!

Arbeit wurde „billig wie Dreck“, Arbeitsarmut zu einem gängigen Begriff - von Fred Schmid

- von RF  -

A rme Menschen in Deutschland haben eine weit niedrigere Lebenserwartung. Wie Dr. Roland Habich vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) bei der Pressekonferenz “Datenreport 2013″ ausführte, sterben Männer in den niedrigsten Einkommensgruppen 11 Jahre früher als Männer in hohen Einkommensgruppen; bei Frauen beträgt der Unterschied 8 Jahre.

Auch das Risiko eines schlechten Gesundheitszustands ist um den Faktor 3,2 (Männer) und 2,2 (Frauen) erhöht.

Der neue Datenreport “Leben in Deutschland” wurde vom Statistischen Bundesamt am Dienstag vorgestellt. Danach hat die Armut in der Krise seit 2007 zugenommen: Von 15,2% der Bevölkerung in 2007 auf 16,1% im Jahr 2011.
Die Zunahme um fast einen Prozentpunkt in vier Jahren bedeutet eine Dreiviertel Million mehr Armutsschicksale. Besonders stark ist das Armutsrisiko von Personen kurz vor dem Renteneintritt gestiegen: von 17,7% im Jahre 2007 auf 20,5% in 2011. Auch bei Jugendlichen zwischen 18 und 24 Jahren gilt mehr als jeder fünfte als armutsgefährdet: 20,7% (2007: 20,2%).

Armut in Deutschland

Armut in Deutschland

Der Datenreport nimmt auch dem vielgepriesenen “deutschen Jobwunder” seinen Glanz. „Wenn man nicht nur die Personen betrachtet, sondern die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden und damit das Arbeitsvolumen, dann lag im Jahr 2012 das Arbeitsvolumen trotz einer deutlich grösseren Zahl an Erwerbstätigen unter dem Wert von 1991“, führte der Präsident des Statistischen Bundesamts Roderich Egeler aus.

Der Grund liegt in der Zunahme sog. atypischer Beschäftigung. Dazu zählen befristete Beschäftigung, Teilzeitarbeiter unter 21 Wochenstunden, geringfügige Beschäftigung (Mini-Jobs) sowie Zeit- und Leiharbeit. Dieses Heer des Prekariats ist inzwischen auf 7,9 Millionen Beschäftigte angewachsen, 22% aller Erwerbstätigen.
Der Anstieg ist gravierend: 1991 13%, 2002 18% und 2012 22%. Bei den Frauen sind es 2013 33%.

Mit der Agenda 2010 – insbesondere mit Hartz IV – wurden immer mehr Arbeitssuchende in prekäre Beschäftigungsverhältnisse gedrängt. Mit der Folge, dass immer mehr Billig-Jobs entstanden und der Niedriglohnsektor sich signifikant ausweitete.

Insbesondere auch durch die Verweigerung eines gesetzlichen Mindestlohns durch die verschiedenen Bundestagskoalitionen. Vier Millionen Menschen arbeiten für einen Bruttoverdienst von weniger als sieben Euro, mehr als ein Fünftel arbeitet im Niedriglohnbereich: zehn Euro und weniger.

Arbeit wurde „billig wie Dreck“, wie es der Soziologe Horst Afheldt bereits vor mehr als einem Jahrzehnt prophezeite. Und immer mehr Menschen können von ihrer Arbeit, von ihren Hungerlöhnen nicht mehr leben.

Arm trotz Arbeit wurde zu einer Massenerscheinung, Arbeitsarmut zu einem gängigen Begriff. Wie Statistik-Chef Egeler feststellte, stieg das Armutsrisiko bei überwiegend erwerbstätigen Personen im Zeitraum 2007 bis 2011 von 7,1% auf 7,8% – das sind gut drei Millionen Menschen.
Von wegen “Jobwunder”.

RF/isw

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