Walfang: Japan vor Gericht

7.000 Tonnen Walfleisch lagern in Kühlhäusern, weil der Markt dafür in Japan zusammengebrochen ist

- von Presseticker  -

T rotz sinkender Nachfrage und internationalen Walfangverbots macht die japanische Walfangflotte seit mehr als 25 Jahren Jagd im Südpazifik. Nach einer Klage von Australien und Neuseeland muss sich das Land nun vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag verantworten.
Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack mit einer Einschätzung im Interview.

Greenpeace: Japan nutzt seit Jahren ein Schlupfloch, um im Namen der Wissenschaft Wale zu jagen.
Welche Chance hat die Klage von Australien und Neuseeland vor Gericht?

Thilo Maack: Beide Seiten räumen sich gute Chancen ein, das Verfahren zu gewinnen. Die Japaner berufen sich auf Artikel 8 der Internationalen Konvention zur Regulierung des Walfangs.
Demnach dürfen sie Wale zu wissenschaftlichen Zwecken töten und die Nebenprodukte dieser Forschung, also das Walfleisch, verkaufen. Seit Jahren prangern wir diese Jagd im Namen der Wissenschaft als kommerzielles Unterfangen an und endlich haben Australien und Neuseeland die notwendigen rechtlichen Schritte gemacht.

Buckelwale im Atlantik

Buckelwale im Atlantik

Greenpeace: Angenommen Australien und Neuseeland setzen sich vor Gericht durch – kann der Internationale Gerichtshof den japanischen Walfang ganz verhindern?

Thilo Maack: Wenn die beiden gewinnen, ist der japanische Walfang über kurz oder lang Geschichte. Denn dann ist gerichtlich festgestellt, dass nicht die Forschung, sondern der japanische Walfleischmarkt Hauptgrund der Jagd ist.

Es wäre auch wahrscheinlich, dass die von Japan gekauften Unterstützerländer die Internationale Walfangkommission IWC verlassen und dann könnte endlich aus diesem Konventionsdinosaurier ein modernes Völkerrechtsinstrument entstehen, das den Schutz der Wale als Hauptziel hat.

Greenpeace: Warum beharrt Japan trotz internationalen Widerstands auf seinen Walfangplänen?

Thilo Maack: Die Antwort scheint irgendwo zwischen Nationalstolz und asiatischer Angst vor Gesichtsverlust zu liegen. Wirtschaftlich rechnet sich der japanische Walfang auf jeden Fall schon lange nicht mehr.

Zu allem Überfluss lagern über 7.000 Tonnen Walfleisch ungenutzt in den Kühlhäusern, weil der Markt dafür in Japan zusammengebrochen ist. Eine rationale Erklärung gibt es also nicht.

Greenpeace: Gerade haben die isländischen Walfänger die ersten erlegten Finnwale an Land gebracht. Könnte der Ausgang des Prozesses die isländische Waljagd beeinflussen?

Thilo Maack: Nein, der isländische Walfang bliebe vom Gerichtsurteil unberührt, denn anders als Japan hat Island das internationale Walfangverbot ganz offiziell abgelehnt und ist deswegen formaljuristisch nicht daran gebunden.

Allerdings müssten sich die isländischen Walfänger zum Beispiel bei einem Beitritt des Landes in die europäische Union warm anziehen. Denn neben dem deutschen Bundestag hat auch das EU-Parlament klargemacht, dass ein Festhalten am Walfang und eine Mitgliedschaft in der EU einander ausschliessen würden.

Greenpeace: Was kann jeder Einzelne tun, um sich gegen Walfang einzusetzen?

Thilo Maack: Möglichkeiten gibt es viele: Man kann unsere Arbeit finanziell unterstützen oder sich direkt mit einem Brief oder einer eMail an die japanische Botschaft hierzulande wenden.
Auch eine eigene kleine Anti-Walfangkampagne über die persönlichen sozialen Medien ist sicherlich eine gute Idee.

RF/Greenpeace

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Ein Kommentar zu

Walfang: Japan vor Gericht

  1. Antonietta 27. Juni 2013 - 19:41 #

    Japan steht schon lange wegen seiner barbarischen Walfangpraxis in der Kritik. Gefangen werden auch Tiere die vom Aussterben bedroht sind wie z.B. Finwale. Finwale sind die zweitgrößten Tiere auf unserem Planeten. Die Begründung für die Jagd ist “wissenschaftliche Forschung”, aber es ist ein offenes Geheimnis, dass mit dem Fleisch Luxusrestaurants beliefert werden. In Japan geben Feinschmecker für die Delikatesse Walfleisch viel Geld aus.
    Die Waljagd ist unnütz und ungerecht. Sobald die Wale von diesen sogenannten “Wissenschaftlern vermessen und gewogen worden sind, gehen die Schlachter ans Werk und die Wale werden zerschnitten und für den Markt verpackt. Es geht nur um Geld und nicht um Forschung.

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