Türkei Widerstand: Der Mann, der einfach nur dastand

Performancekünstler erregt Aufsehen mit stillem Protest

- von Presseticker  -

P roteststehen gegen Erdoğan: Der türkische Performancekünstler Erdem Gündüz löst eine neue Bewegung des zivilen Widerstands aus. Um sechs Uhr abends ging er auf den Platz und stellte sich hin: Hände in den Taschen, Blick nach vorn auf den seit Jahren geschlossenen Atatürk Kulturpalast mit den roten türkischen Nationalfahnen und dem Porträt des Republikgründers.

Das war’s dann für die nächsten sechs Stunden. Erdem Gündüz ist “duran adam” geworden, der Mann, der steht, der gegen die Regierung von Premier Recep Tayyip Erdoğan steht.

Performancekünstler Erdem Gündüz "duran adam", Istanbul, Türkei 18.06.2013

Performancekünstler Erdem Gündüz “duran adam”, Istanbul, Türkei 18.06.2013

Die Aktion verbreitete sich Montagnacht schnell im Internet, mehrere hundert Menschen kamen zum Taksim-Platz in Istanbul und standen und standen mit Erdem Gündüz, darunter auch der Modedesigner Barbaros Şansal und der Schauspieler Selçuk Yöntem.
Denn Demonstrationen sind seit der Räumung des Gezi-Parks am Taksim am 15. Juni nicht mehr möglich.

Polizei betrat die Szene und durchsuchte den Rucksack von Gündüz, irritiert von den Steherqualitäten des 33-jährigen Performancekünstlers. Fragen nach seinem Tun beantwortete der #duranadam nicht. Als Gündüz um Mitternacht ging, blieben die anderen. Die Polizei verhaftete schliesslich mehrere still protestierende Menschen.

Erdem Gündüz ist in Ankara geboren, ist Tänzer, Choreograph und verdient sich als Elektriker sein Zubrot. Auf der Istiklal Caddesi, der Touristen- und Einkaufsmeile in Istanbul, und am Tünnel, am Beginn der Istiklal, liefert er oft improvisierte Tanzeinlagen, gern auch in Unterhose, und provoziert damit regelmäßig konservativ eingestellte Passanten.

Performancekünstler Erdem Gündüz "duran adam", Istanbul, Türkei 18.06.2013

Performancekünstler Erdem Gündüz “duran adam”, Istanbul, Türkei 18.06.2013

Gündüz zog vor drei Wochen erst aus der Wohnung im Tarlabaşi-Viertel aus, weil er die Miete nicht mehr zahlen konnte. Als die Proteste am Taksim und im Gezi-Park begannen, war er in Izmir, wo seine Eltern leben, und nahm an den Demonstrationen dort teil.
Dann kam er bald zurück nach Istanbul, wo die Protestbewegung Regierung und Polizei trotzte und immer mehr Zulauf fand.

„Ich bin nur ein einzelner, der protestiert, ein Künstler. Es gibt viele, viele andere junge Leute auf der Strasse. Ich bin nichts“, sagte Gündüz während seiner Standeinlage auf dem Taksim-Platz gegenüber Journalisten.

RF/APA

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