Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina

Der zionistische Siedlerkolonialismus in Wort und Tat

- von Reuven Jisroel Cabelman  -

D ieses im Promedia-Verlag zu Wien erschienene Buch von Petra Wild wird vom Soziologen Prof. Moshe Zuckerman in der Süddeutschen Zeitung rezensiert.
Ein Auszug:

„Dass sich die Leute, die sich mit Israel solidarisieren, nicht um palästinensisches Leid scheren, versteht sich von selbst.
Dass sie sich aber auch nicht wirklich für Juden interessieren, sondern nur für deren Abstraktion als “Juden = Zionisten = Israelis”, liegt ebenso klar auf der Hand: Nicht nur agieren sie unmoralisch den Palästinensern gegenüber, sondern ihre “moralische Verpflichtung” den Juden gegenüber erweist sich als Parteinahme für das, was ihnen als projizierte Abstraktion das Ausleben unverarbeiteter Befindlichkeiten ermöglicht.

Die Unbescholtenheit von “Juden = Zionisten = Israelis” darf auf keinen Fall infrage gestellt werden; sie allein garantiert die Makellosigkeit derer, mit denen man sich solidarisieren muss, um sich selbst – “wiedergutmachend” – moralisch schadlos zu halten.

Nun haben aber jüdische Israelis im zionistischen Land seit Jahrzehnten Schlimmstes verbrochen. Darum geht es in Petra Wilds Buch.

Kapitel um Kapitel zeichnet sie nach, auf welcher Basis sich das viel gerühmte zionistische Projekt – sei es als Zufluchtsland der Holocaust-Überlebenden oder als “einzige Demokratie im Nahen Osten” – herausbildete, auf welche strukturellen und ideologischen Fundamente es gestellt war.“

Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina
Der zionistische Siedlerkolonialismus in Wort und Tat
von Petra Wild

Über die Palästina-Frage scheint schon alles gesagt. Das Buch von Petra Wild beweist das Gegenteil. Es orientiert sich an den neuesten Erkenntnissen der Kolonialismus- und Genozidforschung, die den Zionismus als eine Form des europäischen Siedlerkolonialismus ausweisen.

Nach einer Einführung in den Ursprung des palästinensisch-israelischen Konflikts und den exklusiv ethno-religösen Charakter des Staates Israel wird in diesem Werk detailliert auf die israelische Politik gegenüber den Palästinensern innerhalb der Grenzen Israels und in den 1967 besetzten Gebieten eingegangen.
Diese wird von israelischen, palästinensischen und internationalen Menschenrechtsorganisationen wie auch von UN-Organisationen immer wieder als Apartheid angeprangert.

Buch: Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina von Petra Wild

Buch: Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina
von Petra Wild

Da der zionistische Siedlerkolonialismus anders als der südafrikanische nicht auf die Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung als billige Arbeitskräfte, sondern auf deren möglichst vollständige Ersetzung durch die Siedlerbevölkerung zielt, ist die schleichende ethnische Säuberung neben der Apartheid das Hauptmerkmal der zionistischen Kolonialpolitik.
Wie diese Politik in der Praxis aussieht, wird in einzelnen Kapiteln über die Ghettoisierungspolitik in der Westbank, die ethnische Säuberung des Jordantals, die Gewalt der kolonialen Siedler sowie die Vertreibung der einheimischen Bevölkerung und die Zerstörung der historischen Stadt Jerusalem dargelegt.

Dass es dennoch einen Silberstreif am Horizont gibt, zeigt das Abschlusskapitel zur Debatte über die Ein-Staat-Lösung, wie sie unter Palästinensern, antizionistischen Israelis und Aktivisten der internationalen Solidaritätsbewegung geführt wird.

Angestrebt wird die Errichtung eines demokratischen säkularen Staates auf dem Boden des historischen Palästinas, in dem muslimische, christliche und drusische Palästinenser sowie jüdische Israelis auf der Basis von gleichen Rechten zusammenleben.
Der seinem Anspruch nach exklusiv jüdische Staat Israel soll durch einen multiethnischen, multireligiösen und multikulturellen ersetzt werden. Die Ein-Staat-Lösung würde nicht nur den Palästinensern ihre von der UNO anerkannten Rechte auf Selbstbestimmung, Rückkehr und Entschädigung garantieren, sondern auch die jüdisch-israelische Bevölkerung von ihrem Status als Kolonialherren befreien.

Die Autorin
Petra Wild, geboren 1963 in Aarbergen/Hessen, studierte arabische Sprache und Islamwissenschaften in Jerusalem, Leipzig, Damaskus und Berlin. Sie arbeitet als freiberufliche Publizistin vor allem zur Palästina-Frage und zur Arabischen Revolution.

ISBN 978-3-85371-355-6
240 Seiten, 15,90 Euro, mit Landkarten

→ Der Israelit

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26 Kommentare zu

Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina

  1. Detlef Nolde 6. Januar 2014 - 21:38 #

    In „SEMIT – unabhängige jüdische Zeitschrift“ (mittlerweile eingestellt) heißt es in der Nr. 01/2010 auf Seite 36:

    Prof. Israel Shahaks Buch („Jüdische Geschichte, Jüdische Religion“) ist inzwischen zu einem Muss-Buch geworden, für jeden der sich mit der ethischen und moralischen Situation in Israel beschäftigt. Er führt die heutige Grausamkeit nicht zuletzt auf die Quellen des Judentums zurück.

    Bei diesen Aussagen verwundert es nicht, daß sowohl Zionisten als auch die sich antizionistisch gerierende chassidische Sekte Neturei Karta (dieser steht der Autor Reuven Jisroel Cabelman nahe) in Prof. Shahak einen “Verräter”, “Lügner”, “Scharlatan” und “Antisemiten” sehen und in o. g. Zeitschrift nicht (mehr) publizierten.

    Neturei Karta erklärt, ihr Gott hätte ihnen das Exil solange zugewiesen, bis er sie nach Palästina “zurückführen” würde. Deren Anhänger sickerten jedoch bereits unter dem Schutze der Osmanen und später Englands und “Israels” nach Palästina ein, wo sie heute in großer Anzahl ebensolche Zivilokkupanten sind wie ihre zionistischen Glaubensbrüder.

    Die Anhänger jener “antizionistischen” Gruppierung also die betont, erst ihr “Messias” würde sie aus dem “Exil” nach “Israel” befördern, waren eine der ersten, die ihr “Exil” gen “Israel” verlassen haben. Soviel zur Glaubwürdigkeit.

    Zionisten und Neturei Karta gingen auch Hand in Hand als es galt, das mutige Kölner Urteil, welches die “Beschneidung” genannte Genitalverstümmelung bei Jungen unter Strafe stellte, als “antisemitisches Schandurteil” zu betiteln und in Deutschland rechtsfreie Räume für sich zu proklamieren.

    Ganz vorne mit dabei der bisweilen unter “Freie Vereinigung frommer Juden – Ahawas Scholaum Berlin” firmierende Reuven Jisroel Cabelman in seinem Blog “Der Israelit”, in dem er sich zur Äußerung verstieg, daß die Genitalverstümmelung “faktisch nicht gefährlicher” wäre als seiner “Tochter Ohrlöcher für Ohrringe machen lassen”.

    Irreführend auch das Bekunden der Neturei-Karta-Gruppe, sie wäre “thoratreu”, damit suggerierend, mit dem Talmud und anderen jüdischen Schriften nichts zu tun zu haben, obwohl sie sich nachweislich genauso auf den Talmud und alle anderen bekannten jüdischen Texte berufen, was die Haltung gegenüber Goiym (=”Nichtjuden”) mit einschließt.

    Bei der weitverbreiteten Unwissenheit über all diese Aspekte bleibt es nicht aus, daß einige tatsächliche oder vermeintliche Antiimperialisten und Antizionisten der Neturei Karta eine Bühne bereiten, wie leider auch in diesem Artikel geschehen.

    Auch als “Rechte” firmierende wie Manuel Ochsenreiter (Herausgeber des Magazins “Zuerst!”) und der (auch bei Nazis) beliebte in Südafrika beheimatete Buchautor Claus Nordbruch lassen nichts auf die Thora-Talmud-Neturei-Karta-Gruppierung kommen, was auf Gegenseitigkeit beruht – beide werden von Reuven J. Cabelman ausdrücklich gelobt.

    Das bedeutet freilich nicht, daß einige im Cabelman-Artikel getätigte Forderungen falsch wären, etwa jene nach einem säkularen Staat Palästina der das derzeitige Territorium “Israels” mit einschließt. Oder jene nach einer dann fälligen Umsetzung des Rückkehrrechts der vertriebenen arabischen Palästinenser.

    Für diesen Standpunkt jedoch muß sich niemand mit einer religiösen Splittergruppe die sich als “antizionistisch” ausgibt und behauptet, ihr “Gott” würde sie irgendwann nach Pälästina “zurückführen” (mit welchem Recht eigentlich?), deren Anhänger jedoch seit Jahrzehnten auch unter dem Schutze der Zionisten nach Palästina eingewandert sind und obendrein behauptet, der Zionismus als politischer Arm des orthodoxen Judentums hätte mit diesem nichts zu tun, gemein machen, von dieser benutzen lassen.

    • RF 6. Januar 2014 - 22:30 #
      RF

      Die Rote Fahne befasst sich nicht mit religiösen Fragen aus dem Blickwinkel der jeweiligen Religion., also im vorliegenden Fall bspw., inwieweit Naturei Karta nun thoratreu ist oder nicht. Das ist einfach nicht unsere Baustelle.
      Es geht uns lediglich darum, Juden in ihrem Kampf gegen den Zionismus – und zu diesen zählt nach unserer Auffassung durchaus auch der Autor des Artikels – die Möglichkeit zur Publikation einzuräumen, da jüdische Stimmen durch den Mainstream zensiert werden.

      • Detlef Nolde 7. Januar 2014 - 16:47 #

        Wenn man immer wieder einen bestimmten religiösen Vertreter unkommentiert sich äußern läßt, halte ich das bei einer säkularen Herangehensweise für problematisch. Klassische Religionskritik die letztlich nichts weiter als Ideologiekritik ist, darf m. E. kein Tabu kennen. Auch dann nicht wenn sich herausstellt, daß der Zionismus (in Theorie und Praxis) nicht areligiös ist wie Cabelman behauptet, sondern auf der orthodoxen Auslegung der jüdischen Religion beruht, wie Prof. Israel Shahak herausgestellt hat. Insofern ist das, was hier vom Gastautor verbreitet wird kein “Kampf gegen den Zionismus” sondern eine Irreführung über denselben und Werbung in eigener Sache.

        Wenn sich Juden wie die Neturei Karta resp. Gastautor Cabelman den “Kampf gegen den Zionismus” auf die Fahne geschrieben haben, dabei jedoch die orthodox-jüdischen Quellen des Zionismus leugnen, den Antizionisten Prof. Israel Shahak wie auch andere liberale antizionistische Juden verurteilen, weil sie halt den religiösen Charakter des Zionismus herausstellen und den Widerspruch nicht aufklären, warum sie von sich aus – nicht zuletzt unter dem Schutze der Zionisten – nach Palästina als Siedlerkolonisten eingedrungen sind wo sie doch behaupten, erst ihr “Messias” würde sie dorthin irgendwann zurückführen, dann ist Kritik wohl angebracht und es stellt sich die Frage, ob nicht Publizisten bevorzugt werden sollten, die den Zionismus richtig darstellen.

        • RF 7. Januar 2014 - 18:10 #
          RF

          Es gibt zahlreiche Kritiker des Zionismus aus ganz unterschiedlichen Richtungen. Dass Zionismus auf der jüdischen Religion beruht, ist eine Auffassung, die wir nicht teilen und die der Grossteil der jüdischen und nichtjüdischen Zionismuskritik ebenfalls nicht teilt, nicht zuletzt ausweislich der Entwicklung des Zionismus als nationalistische Ideologie des 19. Jahrhunderts.
          Im Gegenteil handelt es sich dabei um das zentrale heutige Legitimationsargument des zionistischen Regimes im besetzten Palästina.

          • Detlef Nolde 7. Januar 2014 - 20:27 #

            Eine Kritik des Zionismus ist unvollständig wenn sie negiert, daß dieser auf einer orthodoxen Auslegung des Judaismus beruht und sie politisch weiterentwickelt. Nicht umsonst steht der übergroße Teil des Judentums hinter dem zionistischen Regime in Palästina, egal welcher Ausrichtung sie auch immer anhängen mögen und wie scharf sie gelegentlich diese oder jene Aspekte zionistischer Politik kritisieren.

            Nun die Sichtweise einer verschwindend kleinen Minderheit im Judentum (Neturei Karta) als repräsentiv-jüdisch anzusehen, stellt die Fakten auf den Kopf und ignoriert, was Prof. Israel Shahak diesbezüglich dargestellt hat. Ludwig Watzal von der SPD nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) hat das Buch von Prof. Israel Shahak “Jüdische Geschichte, Jüdische Religion” ausführlich besprochen und gewürdigt:

            Israel Shahak gehört zu den außergewöhnlichsten Persönlichkeiten in Israel. Als Kind ging er durch die Hölle von Bergen-Belsen und emigrierte nach dem Ende der Nazi-Barbarei nach Palästina. (…)

            Sein direktes gesellschaftspolitisches Engagement begann 1965 als er Augenzeuge wurde, wie ein ultrareligiöser Jude die Erlaubnis verweigerte, sein Telefon am Sabbat zu benutzen, um einen Rettungswagen für einen Nicht-Juden herbeizurufen. Shahak wandte sich an das Rabbinische Gericht in Jerusalem, um dessen Meinung zum Verhalten des ultrareligiösen Juden einzuholen. Das Gericht erklärte, dass der Jude nach den Religionsgesetzen richtig, ja sogar fromm gehandelt habe.

            Dieser Zwischenfall machte ihn stutzig gegenüber seiner eigenen Gesellschaft, insbesondere dem Judentum. Hinzu kam seine antizionistische Einstellung. Sie hat ihn vor vielen Fehlbeurteilungen israelischer Politik bewahrt.

            Schon frühzeitig kämpfte er gegen jede Art von Diskriminierung von Nicht-Juden, insbesondere von palästinensischen Israelis und Palästinensern in den von Israel besetzten Gebieten. Er war jahrelang Vorsitzender der Liga für Menschenrechte. In den letzten Jahren hat er sich dem Studium der jüdischen Religion gewidmet und insbesondere ihre Interpretation durch die Orthodoxie scharf verurteilt.

            In ihr sieht er die Wurzeln für den Rassismus gegenüber allen Nicht-Juden und auch die Ursache für den Mord an Ministerpräsident Yitzhak Rabin. Der Fundamentalismus in Israel hat seine Wurzeln in den orthodoxen Glaubensvorstellungen. In seinen beiden Büchern weist er dieses nach. Nur wenige außerhalb Israels sind jedoch darüber informiert.

            http://www.fes.de/IPG/ONLINE4-2000/REZWATZAL.HTM

            Den Zionismus überdies ablehnen, den damit verbundenen Siedlerkolonialismus europäisch-aschkenasischer Juden der zur Vertreibung der einheimischen arabischen Palästinenser führte, jedoch ausblenden, daß auch Anhänger der Neturei-Karta-Gruppierung an dieser Zivilokkupation beteiligt waren (und bis heute sind!) obwohl sie suggerieren, daß an sich erst ihr “Messias” sie aus der Diaspora nach Palästina “heimholt”, widerspricht den Fakten genauso wie zu behaupten, der Zionismus würde nicht genauso auf der jüdischen Religion beruhen wie die Auslegung der jüdischen Sekte namens Neturei Karta.

  2. RF 8. Januar 2014 - 02:06 #
    RF

    Das ist historisch nicht korrekt. Nichteinmal der Zionismus selbst behauptete zur Zeit seiner Entstehung, auf dem Judentum (im Sinne jüdischer Religion) zu fussen.
    Es handelte sich um eine ideologische, politische Bewegung, die sich in expliziter Abgrenzung zur jüdischen Geistlichkeit, in all ihren Schattierungen, konstituierte und von dieser ebenso vehement abgelehnt wurde.
    Erst mit der Balfour-Deklaration im Jahre 1917, also noch während des ersten Weltkriegs, entdeckte der britische Imperialismus das zionistische Projekt für seine geostrategischen Ziele.
    Bis zu diesem Zeitpunkt war der Zionismus eine gesellschaftlich völlig unbedeutende Bewegung, auch ohne jeglichen Widerhall im Judentum.

    Auch nicht der Antisemitismus und Rassismus des NS-Regimes vermochte daran entscheidend etwas zu ändern. Zwar erhielt in dieser Zeit der Zionismus weiteren Zulauf, der Grossteil der in Europa emigrierenden Juden zog es jedoch vor, statt nach Palästina auszuwandern, Länder des eigenen Kulturraumes (inklusive der USA) anzusteuern.
    Dieser Umstand veranlasste den Zionismus sogar, partiell mit dem NS-Regime die Kooperation zu suchen, um die Emigration nach Palästina zu forcieren.
    siehe hierzu:
    → Zionismus und Faschismus – Über die unheimliche Zusammenarbeit von Faschisten und Zionisten
    von Lenni Brenner

    Zionismus und NS-Regime strickten gemeinsam an der Umdeutung des Judentums von einer Religion zu “Rasse” und “Volk” (Volk völkerrechtlich konnotiert).
    Vor 1933 galten deutsche Juden als Deutsche wie Angehörige anderer Religionen auch. Erst die Ideologien von Zionismus und NS-Faschismus, die in dieser Frage zwei Seiten der selben Medaille bildeten, trennten den Angehörigen der jüdischen Religion von Volk und Kultur.

    Auch die Annahme, dass heute der „übergrosse Teil des Judentums hinter dem zionistischen Regime in Palästina“ stünde ist falsch. Das bezieht sich lediglich auf den organisierten Zionismus, nicht jedoch auf das religiöse Judentum. Da Zionisten aber historisch wie in der Sache keine Juden sind, ist das irrelevant.
    Der Zionismus macht sich die Judenverfolgung durch das NS-Regime für seine Legitimationspropaganda zunutze. Zudem ist Zionismus als Ideologie und Machtfaktor heute Teil der imperialen Hegemonie, wodurch sich auch erklärt, warum diese Desinformation – die Gleichsetzung von Zionismus und Judentum – derart allgegenwärtig durch die Köpfe spukt.
    Das was das zionistische Regime heute als “jüdische Orthodoxie” präsentiert, ist ein Produkt des Zionismus selbst – nicht ist umgekehrt der Zionismus aus der 2000 Jahre alten jüdischen Orthodoxie hervorgegangen.

    Was Neturei Karta betrifft, so wird von dieser Seite immer wieder betont, dass allein Palästina souverän über seine Einwanderungspolitik zu entscheiden habe. Worauf sich der Vorwurf gründet, Neturei Karta würde “Zivilokkupation” betreiben, ist hier nicht nachvollziehbar.
    Zur Unvereinbarkeit von Zionismus und Judentum sie auch:

    Rabbi Yisroel Dovid Weiss: Don’t Use the Holocaust to Justify Zionism

    Rabbi Yaakov Shapiro – Zionism is not Judaism

    • Detlef Nolde 8. Januar 2014 - 20:09 #

      Der Zionismus behauptete zur Zeit seiner Entstehung sehr wohl, auf dem Judentum (im Sinne jüdischer Religion) zu fussen, was ja auch gar nicht anders sein konnte, denn er ist ja aus diesem hervorgegangen, wurzelte, lebte in ihm. So nimmt es nicht wunder, daß heuer das Gros der gesamten wie auch orthodoxen Judenheit dem zionistischen Regime in Palästina loyal gegenübersteht bzw. es offen unterstützt.

      Daß der Zionismus anfangs eine gesellschaftlich völlig unbedeutende Bewegung, auch ohne jeglichen Widerhall im Judentum war, ändert daran nichts, zumal sich das durch die bekannten Umstände schnell änderte und selbst jene europäischen Juden, die in Länder des eigenen Kulturraumes (inklusive der USA) auswanderten, standen und stehen in ihrer Mehrheit “Israel” grundsätzlich positiv gegenüber, was sich an der Macht zeigt, die die zionistische Lobby in den USA besitzt, die dort über eine jüdische Massenbasis verfügt.

      Daß der Zionismus partiell mit dem NS-Regime die Kooperation stand, um die Emigration nach Palästina zu forcieren, ist bekannt. Gemeinsamer Hauptgegner war jedoch nicht das orthodoxe, sondern das assimilierte oder gar Herkunftsjudentum, welches sich jeder Auswanderung verweigerte, erst recht der nach Palästina und sich bereits erheblich vom Judentume emanzipiert hatte, was Nazis wie orthodoxen Juden resp. Zionisten ein Dorn im Auge war.

      Wenn Du schreibst, daß Zionismus und NS-Regime gemeinsam an der Umdeutung des Judentums von einer Religion zu “Rasse” und “Volk” strickten, darfst Du nicht ausklammern, daß die Juden selbst sich sowohl als Religions- wie auch Abstammungsgemeinschaft definieren und einige deshalb offen die Nürnberger Gesetze der Nazis begrüßten, was wiederum nicht dem aufgeklärten Denken entsprach, daß assimilierte deutsche Juden ihr eigen nannten, mit denen wir uns wohl eher verbunden fühlen sollten.

      Daß vor 1933 deutsche Juden als Deutsche wie Angehörige anderer Religionen auch galten, ist genauso bekannt. Gleichfalls, daß die Ideologien von Zionismus und NS-Faschismus, die in dieser Frage zwei Seiten der selben Medaille bildeten, den Angehörigen der jüdischen Religion von Volk und Kultur trennten. Jedoch gehört zu diesem Faktum wiederum, daß auch die jüdischen Orthodoxen an ein “deutschen Juden” oder gar assimilierten kein Interesse hatten und darauf Wert legten, als “Juden in Deutschland” zu gelten und weitgehend unter sich zu bleiben.

      Die Annahme, daß heute der übergrosse Teil des Judentums hinter dem zionistischen Regime in Palästina stünde ist nicht falsch, wie ein Blick auf das organisierte Judentum beweist, welches in weiten Teilen prozionistisch ist. Zionismus und religiöses Judentum sind eben keine Gegensätze, wie Cabelman & Co. behaupten und ich frage mich wie Du Deine Aussage begründest, daß jüdische Zionisten historisch wie in der Sache keine Juden sind.

      Worauf sich der Vorwurf gründet, Neturei Karta würde “Zivilokkupation” betreiben, ist logisch nachvollziehbar durch den Fakt, daß deren Anhänger – statt wie behauptet den “Ruf ihres Messias” in der “Diaspora” abzuwarten – eigenmächtig sogar noch vor den zionistischen Siedlern aber auch gemeinsam mit diesen in Massen als Siedlerkolonisten in das von arabischen Palästinensern “ethnisch gesäuberte” Palästina eingedrungen sind. Und das, wie die Zionisten von denen sie sich angeblich abgrenzen, als nicht-semitisch-hebräische Aschkenasim (Ostjuden) chasarischen Ursprungs. Damit leuchtet ein, daß diese genauso “Zivilokkupation” in Palästina betreiben wie die Zionisten.

      Wenn der Judaistik-Experte Prof. Israel Shahak “in der jüdischen Religion und insbesondere ihrer Interpretation durch die Orthodoxie die Wurzeln für den Rassismus gegenüber allen Nicht-Juden” (in “Israel”) sieht und ergänzt, daß der zionistische “Fundamentalismus in Israel seine Wurzeln in den orthodoxen Glaubensvorstellungen” hat und das in seinen beiden Büchern nachweist und dabei einräumt, daß jedoch “nur wenige außerhalb Israels darüber informiert” sind, ist dem nichts hinzuzufügen.

      Hierbei geht Shahak auch mit dem Chassidismus – dem auch Neturei-Karta angehört! – ins Gericht, insbesonder der Einstellung der chassidischen Bewegung gegenüber Nichtjuden. Er bezeichnet den Chassidismus als “Fortführung (und Verfälschung!) des jüdischen Mystizismus”, als “Bewegung mit hundertausenden aktiver Anhänger, von denen einige in Israel einen sehr beachtenswerten politischen Einfluß erlangt haben”. Auch das ein Grund, daß Cabelman & Co. an Prof. Shahak kein gutes Haar lassen, wenn sie ihn nicht gleich totschweigen, worin sie sich wiederum mit den Zionisten einig sind.

      Man könnte meinen, daß die “Zionismus-Lüge” der Neturei-Karta die jüdischen Gesetzeswerke davor schützen soll, einer genaueren Prüfung unterzogen zu werden, was im Rahmen einer den Zionismus betreffenden an die Wurzel gehenden Ideologiekritik aber dringend nötig wäre, wozu uns Prof. Shahak und andere wertvolle Beiträge geliefert haben. Genau davor wiederum schrecken viele zurück, selbst jene, die als säkulare Sozialisten keine Probleme damit haben dürften und eine solche Herangehensweise fördern müßten.

      –> http://detlefnolde.wordpress.com/2010/10/14/aufklaerung-ueber-neturei-karta/

      • RF 9. Januar 2014 - 01:09 #
        RF

        „Der Zionismus behauptete zur Zeit seiner Entstehung sehr wohl, auf dem Judentum (im Sinne jüdischer Religion) zu fussen, was ja auch gar nicht anders sein konnte, denn er ist ja aus diesem hervorgegangen, wurzelte, lebte in ihm.“

        Das ist schlichtweg nicht wahr. Die jüdische Religion wurde und wird begründet und repräsentiert durch die jüdische Geistlichkeit – die Gründung der zionistischen Ideologie jedoch erfolgte explizit gegen die jüdische Geistlichkeit. Dieser historische Fakt ist doch völlig unstrittig.
        Das geht zudem aus der zionistischen Ideologie selbst hervor, die ausschliesslich weltliche Themen zum Gegenstand hat – ganz im Gegensatz zur jüdischen Religion. Gegensätzlicher könnten zwei Weltanschauungen kaum sein.

        Man wird bei diesem Thema auch nicht auf einen Nenner kommen können, wenn man von völlig unterschiedlichen Definitionen dessen was ein Jude ist ausgeht. Ein Angehöriger einer Religion ist derjenige, der diese Religion praktiziert. Dass die Ideologie des Zionismus jüdischen Grundsätzen widerspricht, ist evident und eine Auseinandersetzung darüber obsolet.
        Wie u.a. auch Rabbi Yaakov Shapiro einmal mehr darlegt, steht der Zionismus in diametralem Widerspruch zum Judentum. Das Thema ist doch längst durch und wird allein durch die zionistische Desinformation am kochen gehalten.

        Was das Judentum als “Abstammungsgemeinschaft” betrifft, so ist die Abstammung von einer jüdischen Mutter alleine noch kein Kriterium, wenn nicht auch die religiöse Praxis eingehalten wird, so wie umgekehrt man der jüdischen Religion auch ohne entsprechende Abstammung beitreten kann.
        Diese und andere innerreligiöse Fragen sind aber für den nichtreligiösen Rest der Welt auch ohne Bedeutung, insbesondere bei der Beurteilung der Ideologie des Zionismus.
        Ebenso wie die Frage der jüdischen Diaspora und damit korrespondierender Themen, die einen Gottesbezug aufweisen. Da es nach unserer Auffassung einen Gott nicht gibt, ist auch das für unsere Realitätsinterpretation irrelevant.

        Die europäischen Juden, die vor hunderten Jahren nach Palästina emigrierten, haben weder Landraub, ethnische Vertreibung noch die Gründung eines eigenen Staates betrieben. Diese völlig andere historische Situation lässt sich freilich nicht mit dem auf Völkermord basierendem zionistischen Projekt gleichsetzen.
        Falls also der Vorwurf im Raume stehen sollte, Neturei Karta hätte sich am Genozid in Palästina schuldig gemacht, so bitte Quellenangaben nachreichen.

        „Wenn der Judaistik-Experte Prof. Israel Shahak “in der jüdischen Religion und insbesondere ihrer Interpretation durch die Orthodoxie die Wurzeln für den Rassismus gegenüber allen Nicht-Juden” (in “Israel”) sieht und ergänzt, daß der zionistische “Fundamentalismus in Israel seine Wurzeln in den orthodoxen Glaubensvorstellungen” hat und das in seinen beiden Büchern nachweist und dabei einräumt, daß jedoch “nur wenige außerhalb Israels darüber informiert” sind, ist dem nichts hinzuzufügen.“

        Ein klassisches Missverständnis. Dass der Zionismus orthodoxe Glaubensvorstellungen in seiner Legitimationslogik zitiert, fällt schlechterdings nicht auf die Religion selbst zurück. Auch der Stalinismus hat sich auf Marx und Lenin berufen und der imperialistische Krieg singt das Lied von Demokratie und Menschenrechten – so what?

        • Detlef Nolde 9. Januar 2014 - 22:31 #

          Die jüdische Geistlichkeit hat sich ziemlich schnell dem zionistischen Kurs anschlossen mit dem Ergebnis, daß heute der übergroße Teil derselben dem Zionismus loyal gegenübersteht und diesen maßgeblich stützt. Daß die zionistische Ideologie halt auch weltlich-politische Themen zum Gegenstand hat ist naheliegend, jedoch negiert das nicht die religiöse Fundierung.

          Daß der Zionismus “in diametralem Widerspruch zum Judentum” steht, sieht das Gros des Judentums anders und läßt sich auch nicht belegen, mag die Neturei-Karta-Sekte auch anderes behaupten in ihrem Ansinnen, die Zionismus-Kritik nicht soweit gedeihen zu lassen, daß sie zu den religiösen Quellen des Zionismus vorstößt.

          Wenn “innerreligiöse Fragen für den nichtreligiösen Rest der Welt insbesondere bei der Beurteilung der Ideologie des Zionismus” nicht relevant sind frage ich mich, warum ausgerechnet die Sichtweise eines Vertreters einer winzigen Gruppe sowohl innerhalb des Judentums als auch der jüdischen Orthodoxen maßgeblich sein soll unter Negierung dessen, was der ehemalige Vorsitzende der Internationalen Liga für Menschenrechte in “Israel” Prof. Israel Shahak, der zugleich ein scharfer Kritiker des Zionismus war, an Erkenntnissen veröffentlicht hat. Und ich halte es nicht für angezeigt davon auszugehen, daß dieser wie unterstellt einem “klassischen Missverständnis” bei seinen Studien zu den religiösen Quellen des Zionismus aufgesessen ist.

          Gerade als säkularer Sozialist sollte man sich bei seiner Ideologiekritik keinen Zwänge auferlegen, erst recht nicht durch religiöse Sektierer.

  3. Detlef Nolde 9. Januar 2014 - 00:21 #

    Wolfgang Eggert schreibt in Band 1 seines Werkes „Im Namen Gottes – Israels Geheimvatikan als Vollstrecker biblischer Prophetie“ über das „Imperiale Wesen des religiösen Zionismus”:

    Wie die Person des Mose Heß so ist auch der von diesem populär gemachte jüdische Reichsgedanke nur vor dem Hintergrund der jahwitischen Religion zu verstehen. Hierin liegt ein zentrales Unterscheidungsmerkmal zu den rein politischen Nationalbewegungen der anderen Völker. Der religiösisraelitische Zionismus ist die politische Bewegung, auf welcher das Gottesreich auf Erden seiner Verwirklichung entgegengetragen werden soll. Der Judenstaat Israel ist dabei nur ein bzw. das erste Teilstück der Verwirklichung der alttestamentarischen Prophezeiungen. Die Gesamtheit des Gottesreiches umfaßt das Land Kanaan, auf das die Juden Anspruch erheben. Kanaan ist aber nicht einfach die Heimstätte in Palästina; es ist ganz einfach das irdische Paradies, welches alles bebaute Land auf Erden umfaßt, wie es in wörtlicher Übersetzung in dem Bunde genannt wird, den Jahwe, der Gott der Juden, mit ihrem Stammvater Abraham abgeschlossen hat. (S. 155)

    In seiner Grafik zum „Wesen und Wirken des Geheimvatikans und seiner Satelliten“ beschreibt Wolfgang Eggert das „politisch vordergründige Wesen“ des Zionismus in der Zielsetzung des „Erwerbs Israels als nationaler Heimstätte“ und als „biblisch hintergründiges Ziel“ den „Erwerb Israels als Organisationszentrale des Geheimvatikans und späteres Weltzentrum (Biblischer Zionismus)“, wobei er die zum Chassidismus gehörende Neturei Karta dem „Geheimvatikan“ resp. „Biblischen Zionismus“ zurechnet. Wenn man also nur die exoterische Variante (vordergründiges Ziel) des Zionismus betrachtet ist man nicht in der Lage, sein religiöses Wesen (hintergründige Ziel) genau zu erkennen, hinter rein äußerlichen Konkurrenzen zu blicken und letztlich, eine fundierte antiimperialistische Haltung einzunehmen.

    • RF 9. Januar 2014 - 01:19 #
      RF

      Eggert ergeht sich in Sachen Neturei Karta in Spekulationen. Für uns relevant ist, was diese Gruppe an Grundsätzen publiziert sowie das konkrete politische Handeln.
      Wenn Eggert hier eine klandestine Verschwörung wittert, so müssen schon Beweise her.

      • Detlef Nolde 9. Januar 2014 - 21:16 #

        Ich sehe auch, daß sich Eggert da oder dort in Spekulationen ergeht. Seine Aussagen jedoch, daß der Zionismus nur vor dem Hintergrund der jüdischen Religion zu verstehen ist und hierin ein zentrales Unterscheidungsmerkmal zu den rein politischen Nationalbewegungen der anderen Völker besteht, der Zionismus also sehr wohl auf dem Judentume fußt, womit die Aussagen der Neturei-Karta als irreführend bewertet werden müssen, sind sachlich korrekt. Nicht ganz richtig ist es freilich, wenn Eggert die Neturei Karta den Chassiden zurechnet, jedenfalls nicht im engeren Sinne. Inoffiziell bestehen jedoch Verbindungen zur Dachorganisation “Edah HaCharedit” sowie mit den Satmarer Chassidim. Es stimmt, relevant ist, was Neturei Karta „an Grundsätzen publiziert sowie das konkrete politische Handeln“. Ihren eigenen „Grundsatz“, daß Juden erst dann aus der Diaspora ins „Heilige Land“ kommen dürften, wenn ihr „Messias“ das veranlaßt, haben sie mit ihrem „konkreten politischen Handeln“ gebrochen, indem sie noch vor den offen zionistisch auftretenden Kolonisten nach Palästina „zurückkehrten“ und dort nun wie andere chasarische Ostjuden als Kolonisten leben. Und wenn sie weiter behaupten, der Zionismus hätte nichts mit dem Judentume gemein ist das halt eine Irreführung über dessen Wesen und Ziel und ich habe hier zuvorderst nicht auf Eggert, sondern den Judaisten Prof. Shahak verwiesen, der zwar von Neturei Karta abgelehnt wird, jedoch deshalb keineswegs Unrecht hat.

  4. RF 10. Januar 2014 - 00:25 #
    RF

    Halten wir fest, dass sich in dieser Debatte im Kern offenbar zwei unterschiedliche Interpretationen der jüdischen Schriften gegenüberstehen, jener wie sie auch Prof. Shahak behauptet (und damit faktisch auch die zionistische Legitimationslogik bedient) und auf der anderen Seite die klassische, vor-zionistische Definition, wie auch durch die Rabbiner in obigen Videos dargelegt.
    Sofern man selbst kein studierter Religionsgelehrter ist, wird man wohl darauf angewiesen sein, eher dem “Rabbi seines Vertrauens” zugeneigt zu sein.

    Allerdings lässt sich – objektiv – festhalten, dass sich der Zionismus Ende des 19. Jahrhunderts gegen die jüdische Geistlichkeit konstituierte. Folgt man also Prof. Shahaks Interpretation, dann bedeutet dies, dass Jene, die sich dem Zionismus zuwandten, mit ihrer Auslegung der jüdischen Schriften im Recht sind und ergo die jüdische Geistlichkeit in den 2000 Jahren davor völlig verpeilt war.
    Es mag jeder für sich selbst entscheiden, was er für wahrscheinlicher hält.

    „warum ausgerechnet die Sichtweise eines Vertreters einer winzigen Gruppe sowohl innerhalb des Judentums als auch der jüdischen Orthodoxen maßgeblich sein soll unter Negierung dessen, was der ehemalige Vorsitzende der Internationalen Liga für Menschenrechte in “Israel” Prof. Israel Shahak, der zugleich ein scharfer Kritiker des Zionismus war, an Erkenntnissen veröffentlicht hat.“

    Wie gross die Neturei Karta-Gemeinden sind oder auch nicht, spielt doch gar keine Rolle. Entscheidend ist, dass es sich um authentische Rabbiner handelt, was diese dazu qualifiziert, sich in Sachen Judentum zu äussern.
    Die SPD beansprucht auch das Erbe der Arbeiterbewegung, sie wird gefördert und wahrgenommen, weil sie dem Mainstream dient. Nicht anders verhält es sich mit dem Zionismus.
    Rabbi Yaakov Shapiro bspw. gehört gar nicht zu Neturei Karta und auf der jüdischen Massenkundgebung in New York in seinem obigen Video haben sich Juden ganz unterschiedlicher Strömungen versammelt.
    Wie man darauf kommen kann, dass: „die jüdische Geistlichkeit hat sich ziemlich schnell dem zionistischen Kurs anschlossen mit dem Ergebnis, dass heute der übergrosse Teil derselben dem Zionismus loyal gegenübersteht und diesen maßgeblich stützt“
    bleibt ein Rätsel bzw. lässt sich allenfalls dadurch erklären, dass man der zionistischen Legitimationslogik folgt und die zionistischen Verbände und Lobbygruppen als Juden zählt und deren medialen Einfluss im Gefüge des Imperialismus mit “DEM Judentum” verwechselt (was wir evidenter Weise nicht tun).

    „Ihren eigenen “Grundsatz”, dass Juden erst dann aus der Diaspora ins “Heilige Land” kommen dürften, wenn ihr “Messias” das veranlasst.“

    Religiöse Schriften kann man nicht lesen wie das bürgerliche Gesetzbuch. Es geht dabei nicht um individuelle Juden, sondern um die “göttliche Erlösung” des jüdischen Volkes (Religionsgemeinschaft) im spirituellen Sinne.
    Zitat Rabbi Yisroel Dovid Weiss: „Aus diesem Grund können und werden nur Mächte die Diaspora beenden und die versprochene Ära des Friedens und einer weltweiten Bruderschaft einläuten, die von geistiger Natur sind. Sie bestehen aus den grundlegenden Bräuchen unseres Glaubens: Reue, Glaube, das Studium der Thora und gute Werke.
    Ausserdem bedeutet das schlussendlich Ziel – das Ende des Exils – nicht einen Staat Israel‘, ein politisches Gebilde, begründet auf der Unterdrückung und Unterwerfung eines anderen Volkes. Im Gegenteil: Dies ist geradezu die Antithese zu jenem Ende der Diaspora, auf das wir hoffen: nämlich eine Spiritualität voller Bruderschaft, Harmonie und weltweitem Dienst an dem Einen Gott.“

    Neturei Karta wurde auch erst 1938 gegründet, explizit im Widerstand gegen den Zionismus und lediglich als eine Gruppe im jüdischen Widerstand gegen den Zionismus. Neturei Karta unterhält eine Synagoge in Jerusalem (Torah Ve’Yirah), darüber hinaus lebt der Grossteil in Gemeinden in London und New York.

    • Detlef Nolde 10. Januar 2014 - 02:35 #

      Prof. Shahak zieht selbstverständlich “vor-zionistische Interpretationen der jüdischen Schriften” heran und legt dar, wie sie als religiöse Grundlage des Zionismus in Theorie und Praxis fungieren. Das geht aus dem Studium seiner Schriften hervor.

      Wenn man sich mit diesen befaßt wird klar, daß der Judaismus die Basis für die zionistische Politik gegenüber den Palästinensern darstellt und ich wüßte nicht, warum sich Atheisten der radikalen Kritik einer Ideologie verschließen sollten nur weil man damit in den Bereich der Religionskritik gelangt.

      Ist es die Angst, in die Nähe des nazistischen Rassenantijudaismus gerückt zu werden? Der Antisemitismuskeule ausgesetzt zu sein, die sowohl von den Zionisten als auch der Neturei-Karta gerne ausgepackt wird, wenn man es wagt, ihrer Ideologie einer genauen Prüfung zu unterziehen?

      Er schreibt in seinem Buch “Jüdische Geschichte, Jüdische Religion”:

      Die unveränderten Einstellungen des klassischen Judentums gegenüber Nichtjuden prägen noch immer stark seine Anhänger, die orthodoxen Juden und jene, die seine Tradition offensichtlich fortsetzen, nämlich die Zionisten.

      Seit dem Jahre 1967 wird Israel immer “jüdischer”, so daß mehr jüdisch-ideologische Erwägungen als kalt berechnete imperialistische Interessen die Politik bestimmen.

      Ausländische Experten bemerken in der Regel diesen Einfluß nicht. Sie neigen dazu, den Einfluß der jüdischen Religion auf die israelische Politik nicht zur Kenntnis zu nehmen oder herunterzuspielen.

      Obwohl der Kampf gegen den Antisemitismus (und gegen alle anderen Formen des Rassismus) nie aufhören darf, hat der Kampf gegen den jüdischen Chauvinismus und Exklusivismus, zu dem auch eine Kritik des klassischen Judentums gehört, mittlerweile die gleiche oder noch größere Bedeutung.

      Der Weg zu einer echten Revolution des Judaismus besteht in einer unerbittlichen Kritik an der jüdischen Religion. Sie macht ihn menschlicher, hilft den Juden, ihre eigene Vergangenheit zu verstehen, und ist eine Selbstbefreiung aus ihrer Tyrannei.

      Er macht klar: Kritik des Zionismus unter Ausklammerung seiner jüdisch-religiösen Fundierung greift zu kurz, man gelangt automatisch zu Fehlschlüssen. Daß an dieser Erkenntnis die Zionisten und insbes. die orthodoxen Juden und damit auch Neturei-Karta kein Interesse haben, ist verständlich.

      Warum ein säkularer Sozialist sich dem verschließt, jedoch nicht.

      • RF 10. Januar 2014 - 12:59 #
        RF

        „Prof. Shahak zieht selbstverständlich “vor-zionistische Interpretationen der jüdischen Schriften” heran und legt dar, wie sie als religiöse Grundlage des Zionismus in Theorie und Praxis fungieren. Das geht aus dem Studium seiner Schriften hervor.
        Wenn man sich mit diesen befaßt wird klar, daß der Judaismus die Basis für die zionistische Politik gegenüber den Palästinensern darstellt“

        Das Argument war bereits beim ersten Mal verständlich, wir reden nur stellenweise aneinander vorbei. Deshalb hier nochmal der Versuch unsere Position strukturiert darzulegen:

        1. Der Zionismus wurde nicht durch einen Juden, also jemanden, der die jüdische Religion praktiziert, sondern durch den politischen Aktivisten Theodor Herzl 1896 begründet.

        2. Das jüdische Glaubenswerk Thora verbietet ausdrücklich die Bildung eines “jüdischen Staates”, sei dies in Palästina oder anderswo, und sieht darin einen massiven Verstoß gegen die Gebote Gottes.

        3. Ebenso ist nach der Thora nur derjenige ein Jude, der nach den Geboten Gottes bzw. der Thora lebt. Daher erklärte damals und heute die auf 2000-jähriger Tradition beruhende jüdische Geistlichkeit Zionismus als nicht-jüdisch und betrachtet Zionisten nicht als Juden.

        4. Es muss Jeder für sich selbst entscheiden, ob er der Interpretation der 2000-jährigen jüdischen Geistlichkeit folgt – oder jener der 100-jährigen Ideologie des Zionismus. Die Rote Fahne steht auf dem Standpunkt, dass die 2000-jährige jüdische Geistlichkeit die Deutungshoheit über das Judentum besitzt, auch weil deren Argumentationslinie basierend auf der Thora verifizierbar ist.

        5. Folgt man also der jüdischen, antizionistischen Position, so ist im Weiteren irrelevant, welche Legitimationslogik (die der Zionismus im Laufe der vergangenen 100 Jahre mehrfach modifiziert und der Weltpolitik angepasst hat) nachschiebt und bemüht.
        Insofern liegt auch Prof. Shahak mit seiner Argumentation falsch, da der Zionismus und seine Theorie und Praxis schon per se antijüdisch sind.
        Im Grunde bedient Prof. Shahak die zionistische Legitimationslogik, weil er den Zionismus für sein vermeintliches “jüdischsein” kritisiert – und eben nicht dafür, dem Judentum diametral entgegen zu stehen.

        Das ist ähnlich, wie wenn die kapitalistische Desinformation den Stalinismus für sein vermeintliches “kommunistischsein” kritisiert. Dies nutzen die Stalinisten, um Kritik am Stalinismus als “Antikommunismus” zu brandmarken – und sich selbst ergo in der Rolle als Verteidiger des Kommunismus gerieren zu können.
        Prof. Shahak weiss also entweder nicht, was er redet – oder aber er will gezielt dem Zionismus in die Hände spielen.

        „Ist es die Angst, in die Nähe des nazistischen Rassenantijudaismus gerückt zu werden? Der Antisemitismuskeule ausgesetzt zu sein“

        Keineswegs. Es ist nur die in der Sache objektive Erkenntnis. Wir argumentieren hier nicht strategisch, sondern im wissenschaftlichen Sinne ausschliesslich an der Sachebene orientiert.

        • Detlef Nolde 10. Januar 2014 - 17:19 #

          Ich halte es nicht für eine “in der Sache objektive Erkenntnis” und “im wissenschaftlichen Sinne ausschliesslich an der Sachebene orientiert” argumentiert, die fundierten Darlegungen von Prof. Shahak kurzerhand als “falsch” abzutun und gebetsmühlenartig die Behauptungen von Neturei Karta zu verbreiten, wonach “der Zionismus und seine Theorie und Praxis per se antijüdisch” seien. Es ist auch kein Argument anzuführen, daß Shahak “im Grunde die zionistische Legitimationslogik” bedient, weil er, wie die Zionisten, die feste Verankerung des Zionismus im Judaismus belegt. Vielmehr sollte man daran gehen, als Atheist eine eigene Zionismuskritik zu entwickeln die auch dessen religiöse und folglich imperialistische Dimension mit einschließt (worauf Shahak, Eggert und andere eingehen), statt sich sklavisch der Doktrin einer jüdischen Splittergruppe anzuschließen. Gut ist, daß hierzu ein sachlicher Austausch möglich war.

          • RF 10. Januar 2014 - 18:38 #
            RF

            Sozialisten betreiben auf der Metaebene grundsätzliche Religionskritik. Nicht innerreligiöse vergleichende oder theologische Kritik. Unsere entschiedene Ablehnung des Zionismus gründet vor allem auf dem weltlichen internationalen Völkerrecht.
            Ansonsten siehe 4.

  5. Detlef Nolde 10. Januar 2014 - 21:16 #

    Ob eine Ideologie nun mit oder ohne “Gott” daherkommt, spielt an sich keine Rolle. Wir kennen das beim Islam(-ismus) und beim Judaismus ist es nicht anders, denn auch dieser kennt eine ganz konkrete politische Ausprägung, weshalb das Gros der Rabbiner loyal zu “Israel” steht. Eine “entschiedene Ablehnung des Zionismus die sich vor allem auf dem weltlichen internationalen Völkerrecht” gründet muß oder vielmehr darf folglich nicht ausblenden, wie die Zionisten ihren Rechtsanspruch auf Palästina und den diskriminierenden Umgang mit den Palästinsern aus ihren Schriften herleiten. Dabei ist (und das nur nebenbei) die Frage, ob wir nicht von jüdischer Religion sondern einem jüdischen Gesetz sprechen müssen. So meint die jüdische Schriftstellerin Barbara Honigmann: “Das Judentum kennt übrigens kein Wort für ‘Religion’, weder als Wort noch als Konzept, abergläubische Spiritualisten und dumme Fundamentalisten kennt es aber trotzdem.” (Welt, Lit.Welt, 5.5.2007, S. 1)

    • RF 10. Januar 2014 - 21:38 #
      RF

      „wie die Zionisten ihren Rechtsanspruch auf Palästina und den diskriminierenden Umgang mit den Palästinensern aus ihren Schriften herleiten“

      Aus den zionistischen Schriften – aus der jüdischen Glaubenslehre lässt sich das, wie geschildert, nicht ableiten. Zionismus und Judentum sind diametrale Gegensätze.

      • Detlef Nolde 12. Januar 2014 - 05:49 #

        Der Zionismus startete nicht als weltlich-reaktive Bewegung, was u.a. von Neturei Karta wider besseren Wissens zum Zwecke der Irreführung behauptet wird. Die Gründung des Zionismus erfolgte auf Initiative messianischer Rabbis, weshalb es kein Zufall ist, daß “Israel” der Chabadsekte untersteht.

        Während des 19. Jahrhunderts begann eine Anzahl religiös-orthodoxer Ideologen innerhalb des Judentums eine mehr aktivistische, weltliche Vision der Erlösung zu artikulieren. Einige gingen dabei so weit, das jüdische Volk aufzurufen, die messianistische Initiative zu ergreifen und einen schrittweisen Prozeß der Einwanderung nach dem und der landwirtschaftlichen Besiedelung in dem Lande Israel in Gang zu setzen – als notwendigen und organischen Schritt hin in Richtung auf eine volle Erlösung. Um ihr Unternehmen voranzutreiben, suchten sie selbst, praktische – zum Teil sehr weitreichende – Programme zu entwickeln. Diesen Persönlichkeiten, darunter Rabbi Judah Alkalai (Serbien, starb 1878), Rabbi Zvi Hirsch Kalischer (Preußen, starb 1874), und andere „Liebhaber Zions“, die die gleichen Sichtweisen einnahmen (wie z. B. Rabbi Eliyahu Golomb und Rabbi Nathan Friedland), gelang es, eine Gefolgschaft um sich zu sammeln. Sie wurden später als „Vorboten des Zionismus“ bekannt.

        Quellen: Jacob Katz, „Leumiyut Yehudit“, Jerusalem 1983, Seite 263-265; Shlomo Avineri, „The Making of Modern Zionism: The Intellectual Origins of the Jewish State“, New York 1981. Ravitzky, „Messianism“, Seite 26

        Moshe Idels verdanken wir die Erkenntnis, daß mit Theodor Herzl der „Gottvater“ des politischen Zionismus höchstpersönlich zu Beginn seines Lebens messianische Träume und Sehnsüchte gepflogen habe, was ganz sicher das Faktum begünstigte, daß dieser „in dem religiös-zionistischen Lager seine loyalsten Anhänger hatte, Anhänger, die bereit waren ihm nahezu blind zu folgen.“

        Der bedeutende Thoragelehrte Rabbi David Kimschi, befand vor Hunderten von Jahren mit Blick auf das biblisch-judengegnerische Volk der KANAANITER:

        „Es wird durch die Tradition oder mündliche Lehre gesagt / daß die Einwohner von Teutschland / Canaaniter seyen: dann als die Canaaniter vor dem Josua (aus Furcht getödtet zu werden) sich weg begaben / wie wir über das Buch Josua geschrieben haben / gingen sie in das Land Alemannia, welches Teutschland genennet wird: und werden dieselben (nemlich die Teutschen) noch heutigen Tages Canaaniter geheißen.“ (Rabbi David Kimschi, Auslegung Obad 1 V. 20, zitiert nach dem Heidelberger Hebraistikprofessor Eisenmenger, „Entdecktes Judentum“ (1711), Band 2, Seite 202)

        Interessant, oder? So verwundert auch nicht folgende Begebenheit:

        Als Kaiser Wilhelm II 1898 seinen berühmten Besuch in Jerusalem abstattete, wurden alle führenden Geistlichen der Stadt eingeladen, an einem ausgiebigen Empfang teilzunehmen. Die ultra-orthodoxen Rabbiner jedoch verweigerten ihre Teilnahme. Einer von ihnen war der leidenschaftliche Anti-Zionist Joseph Hayyim Sonnenfeld. Als er Jahre später gefragt wurde, warum er abgesagt hatte, trotz der seltenen Gelegenheit nach dieser Begegnung mit einer kaiserlichen Persönlichkeit seinen ritualen Segen zu geben, antwortete Rabbiner Sonnenfeld wie verlautet:

        “Ich habe von meinem Lehrer Rabbiner Leib Fiskin über die Tradition (=Kabbala) erfahren, die dem Rabbiner Elija, dem Goan von Vilna, zugeschrieben wird, daß die deutsche Nation von Amalek abstammt…und wie sollte ich einen Monarchen, der ein Volk beherrscht, dessen Andenken uns befohlen wurde auszumerzen, mit dem heiligen Namen segnen?” Elliot Horowitz: “Reckless Rites”, Princeton University Press 2006, Seite 79

        Zur Erinnerung: Die Neturei-Karta-Anhänger sind die Schüler des “Goan von Vilna” und reiben sich die Hände über die Unwissenheit und Naivität der Nichtjuden insbes. Deutschen, die ihnen alles ungeprüft nachplappern.

        • RF 13. Januar 2014 - 11:51 #
          RF

          „Der Zionismus startete nicht als weltlich-reaktive Bewegung … Die Gründung des Zionismus erfolgte auf Initiative messianischer Rabbis, weshalb es kein Zufall ist, daß “Israel” der Chabadsekte untersteht.“

          Das ist einmal mehr nicht richtig. Judah Alkalai und Zwi Hirsch Kalischer vertraten lediglich im Judentum isolierte Einzelmeinungen und Theodor Herzls Schrift zur Begründung des Zionismus “Der Judenstaat” bezieht sich auch gar nicht auf diese.
          Die Sekte Chabad schloss sich erst Mitte des 20. Jahrhunderts der Ideologie des Zionismus an.
          Ansonsten siehe oben.

          Was soll eigentlich diese Obsession bezüglich Neturei Karta bewirken, welches Thema soll dadurch beleuchtet werden?
          Dass sich die Ideologie des Zionismus gegen die jüdische Geistlichkeit konstituierte, ist doch ein historisch völlig unstrittiges Faktum, bekannt bereits seit der Konstituierung des Zionismus und nicht erst seit Gründung von Neturei Karta im Jahre 1938.

          • Detlef Nolde 13. Januar 2014 - 20:05 #

            Wenn einige zionistische Schriften die „Vorboten des Zionismus“ nicht explizit erwähnen hängt das damit zusammen, daß sich der aktivistische Teil des Judentums (=Zionisten) dazu entschloss, die religiöse resp. messianische Begründung derselben aus diplomatischen sowie taktisch-strategischen Erwägungen in den Hintergrund treten zu lassen.

            Die hohe Barriere, die die religiösen Zionisten zwischen ihrem Zionismus und ihrem Messianismus errichteten, war daher maßgeblich darauf abgestellt, jedwede Behauptung, nach denen sie darauf abzielten, das biblische Ende zu forcieren, zurückzuweisen und die Massen von eher areligiösen Juden nicht abzuschrecken, nach Palästina zu gehen.

            Als das “Projekt” so gut wie abgesichert war, konnte man sukzessive diese Taktik wieder aufheben (aber auch nicht in Gänze), woraus sich begründet, daß Chabad sich offiziell erst Mitte des 20. Jahrhunderts der Ideologie des Zionismus anschloss aber dann zügig zur führenden Kraft desselben – und zwar weltweit – sich entwickelte.

            Wenn man meint, daß sich die “Ideologie des Zionismus gegen die jüdische Geistlichkeit konstituierte”, dann betrifft das nur einen Teil derselben die das nach außen hin tat (resp. noch nicht instruiert wurde) aber es spricht für sich, daß nun das Gros der Rabbiner hinter der aktivpolitischen Ausrichtung des Judaismus (=Zionismus) steht.

            Von Obsession im Sinne von Leidenschaft, Besessenheit kann nicht die Rede sein. Es geht darum, mit Ideologiekritik nicht stehen zu bleiben an einer Stelle, die eine bestimmte jüdische Sekte gerne hätte weil es ihr darum geht, den Judaismus davor zu bewahren, einer genaueren Prüfung unterzogen zu werden. Und genau, weil Prof. Shahak das als profunder Kenner getan hat, wird er von diesen Leuten verabscheut.

            Wenn man als Atheist und Sozialist auftritt stellt sich die Frage, warum man sich die Begründungen für seinen Antizionismus nicht aus nicht-jüdisch-ultraorthodoxen Quellen holt, von der Prof. Israel Shahak nur eine ist, sondern sich ausgerechnet Neturei Karta bedient, die ihre eigenen von mir genannten Ziele vertritt und alle möglichen Multiplikatoren dafür benutzt, von der NPD bis zur Roten Fahne.

            Ebenso verwunderlich ist es für einen säkularen Linken, sich bei seinem Antizionismus und Antiimperialismus auf islamistische Organisationen (Hamas, Hisbollah) und Regime (Iran) zu berufen und damit wiederum so zu tun, als gäbe es international keine anderen antizionistischen Kräfte und Bündnispartner als gerade reaktionäre Muslime, die im Übrigen immer zügig dabei waren, gegen Atheisten (“Gottlose”) und Sozialisten vorzugehen. Diesbezüglich vertritt die GNE einen konsequenten Ansatz, indem sie sich sowohl gegen Zionisten also auch Islamisten positioniert.

            Weil das bei der Roten Fahne nicht passiert, legt man sich selber Denkblockaden an und tut sich schwer damit, die Islamisierung unserer Heimat als Teil der Überfremdung anzusehen, weil man islamistische Antizionisten nicht verprellen will. Außenpolitischen Bündnisphantasien tragen also dazu bei, keine realistische Einschätzung innenpolitischer Verhältnisse vorzunehmen zu können.

            Aus denselben Gründen – Rücksichtnahme auf “verbündete” religiöse Sektierer – hat es hier vermutlich seinerzeit auch kein Eintreten für die Rechte des Kindes in unserem Lande gegeben, seinem Schutz vor Genitalverstümmelung, vorgenommen von Moslems und Juden. Wenn das Die Rote Fahne getan hätte ohne wenn und aber, hätte sich vermutlich auch Cabelman beleidigt zurückgezogen und Muselmanen abgewendet. Die Frage ist, wie weit und warum man sich verbiegt.

            Soweit meine unmaßgebliche Meinung dazu, den Rest habe in diesem http://wp.me/p4j4g-X7 Blogbeitrag festgehalten bzw. angedeutet.

          • RF 13. Januar 2014 - 21:37 #
            RF

            „der aktivistische Teil des Judentums (=Zionisten)“

            Judentum (Religion) und Zionismus (Ideologie) sind diametrale Gegensätze, siehe oben. Dass Zionismus nicht der jüdischen Glaubenslehre bzw. Thora widerspricht, ist zionistische Desinformation.

            „aus diplomatischen sowie taktisch-strategischen Erwägungen in den Hintergrund treten zu lassen“

            Spekulation, die durch den Widerstand des Judentums gegen den Zionismus faktisch widerlegt wird.

            „Wenn man als Atheist und Sozialist auftritt stellt sich die Frage, warum man sich die Begründungen für seinen Antizionismus nicht aus nicht-jüdisch-ultraorthodoxen Quellen holt“

            Sozialisten leiten ihren Widerstand gegen den Zionismus aus der Realität des internationalen Völkerrechts und ihrer antifaschistischen Grundhaltung ab – nicht aus religiösen Erwägungen.
            Dass auch Juden den Zionismus ablehnen, illustriert lediglich den historischen Werdegang der zionistischen Ideologie und die Konstruktion der zionistischen Desinformation.

            „Ebenso verwunderlich ist es für einen säkularen Linken, sich bei seinem Antizionismus und Antiimperialismus auf islamistische Organisationen (Hamas, Hisbollah) und Regime (Iran) zu berufen“

            Sozialisten gründen ihren Antizionismus (Antifaschismus) und Antiimperialismus allein auf ihren historischen Grundlagen der Arbeiterbewegung.

            „Weil das bei der Roten Fahne nicht passiert, legt man sich selber Denkblockaden an und tut sich schwer damit, die Islamisierung unserer Heimat als Teil der Überfremdung anzusehen, weil man islamistische Antizionisten nicht verprellen will.“

            Eine eigenartige Interpretation und Konstruktion, die mit der Publizistik in der Roten Fahne nichts zu tun hat.
            Das Phänomen der Überfremdung durch Masseneinwanderung ist ein Instrument der imperialistischen Geostrategie, im Bestreben das internationale Völkerrecht zu zerschlagen und die bürgerlich demokratischen Republiken zu desintegrieren.
            Ob aus islamischen Kulturräumen oder anderen stammend, sind die Einwanderer lediglich Schachfiguren auf dem Feld der Geopolitik. Würde der Imperialismus dasselbe leichter mit atheistischen Chinesen bewerkstelligen können, würde er sich auch dieser bedienen.
            Das verantwortlich handelnde Subjekt ist hier der globale Imperialismus, nicht “der Islamismus”. Folglich muss sich der antiimperialistische Widerstand auch am Imperialismus abarbeiten, nicht an den Ausländern als Gruppen oder Individuen.

  6. Detlef Nolde 14. Januar 2014 - 00:50 #

    Wer sich einmal mit Thora und Talmud also der Materie befaßt hat, insbesondere, was über (uns) Goyim (Nichtjuden/Heiden) ausgesagt und gedacht wird, was man u. a. bei Israel Shahak (“Jüdische Geschichte, Jüdische Religion”) und Wolfgang Eggert (“Israels Geheimvatikan”) nachlesen kann, der wird nicht mehr nachplappern was ultraorthodoxe “Antizionisten” behaupten, daß “Judentum und Zionismus diametrale Gegensätze” sind, weil klar wird, daß religiöse Theorie und zionistische Praxis (in Palästina und weltweit) zwei Seiten einer Medailie sind.

    • RF 14. Januar 2014 - 13:19 #
      RF

      Diesen Irrglaube wird Ihnen offenbar niemand nehmen können.

      • Detlef Nolde 14. Januar 2014 - 21:35 #

        “Irrglauben” schreibt jemand, der einer im Judentum isolierten Minisekte Glauben schenkt. Es bleibt die Frage im Raum, warum “Sozialisten ihren Antizionismus (Antifaschismus) und Antiimperialismus allein auf den historischen Grundlagen der Arbeiterbewegung” gründen (sollten) jedoch einen religiösen ultraorthodoxen Sektierer wie Cabelman als “Experten” in Sachen “Zionismus” bestellen, deren Organisation (Neturei Karta) überdies keine Probleme damit hat, mit moslemisch-antisozialistischen politreligiösen Extremisten wie Hamas und Hisbollah gemeinsame Sache zu machen.

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