EU will jetzt auch Kontrolle über Sexualverhalten

Massive Zensur geplant

- von Stephan Steins  -

P ornographie ist die mediale Darstellung und Interpretation von Sex. Das Problem mit Pornographie ist nicht die Verbildlichung des menschlichen Aktes als solchem, sondern dessen Kommerzialisierung, so wie im Kapitalismus alle Lebensbereiche der Marktverwertung ausgesetzt sind. Wie heute bekannt wurde, will das sog. “Europäische Parlament” in der EU ein Verbot von Pornographie (was auch immer darunter zu verstehen ist) in allen Medien durchsetzen.
Dazu soll mit Internetanbietern eine Charta erarbeitet werden.

Über Maßnahmen zur Umsetzung dieses Vorhabens diskutiert in der kommenden Woche das EU-Parlament. Das hat Christian Engström, der für die schwedische Piratenpartei im Europaparlament sitzt, nun öffentlich bekannt gemacht.

Skulptur von Jeff Koons - mediale Darstellung bald verboten?

Skulptur von Jeff Koons – mediale Darstellung bald verboten?

Obacht: Die imperiale Rechte (= Kartell der bürgerlichen Parteien pro imperiale NATO/USA/EU) will über die Europäische Union nicht etwa ein Verbot kommerzieller Werbung im öffentlichen Raum und Medien durchsetzen, wie von Sozialisten gefordert, sondern explizit die mediale Darstellung menschlicher Sexualität diskriminieren.
Nicht dem Kommerz soll Einhalt geboten werden, sondern einmal mehr handelt es sich um einen ideologisch motivierten Angriff auf die kulturelle Selbstbestimmung des Individuums.
Zurecht kann man argumentieren, dass wir auf die Schrott-Produktionen der Pornoindustrie gut verzichten können. Das ist aber nicht der Punkt, denn auch hier steckt der Teufel einmal mehr im Detail. Zwei Ebenen werden tangiert:

Zum einen geht es um die reaktionäre, imperiale Ideologie des “Feminismus”. Diese zielt darauf ab, die Rolle der Frau und den besonderen Schutz der Mütter aufzuheben, die Familie als Lebensmittelpunkt und Schutzraum der Menschen zu zerschlagen und das Individuum, Mann und Frau, kulturell entwurzelt und sozial isoliert als imperiale Einheitssklaven der Kapitalverwertung zuzuführen.

In dem EU-Plenarsitzungsdokument „Bericht über den Abbau von Geschlechterstereotypen in der EU (2012/2116(INI))“ heisst es, „eine Politik zur Beseitigung von Stereotypen in den Medien“ könne „nur mit einer Aktion im digitalen Bereich erfolgreich funktionieren“.
Zu diesem Zweck sei es erforderlich, auf europäischer Ebene koordinierte Aktionen einzuleiten, die darauf abzielten, „in Zusammenarbeit mit den betreffenden Interessengruppen eine Charta zu erarbeiten, zu der eine Einladung zum Beitritt an alle Internetdiensteanbieter erfolgen würde“.

Es geht also nicht um das Thema kommerzielle Pornographie, sondern tatsächlich um das Sexualverhalten von Mann und Frau – „Abbau von Geschlechterstereotypen“ – und dessen mediale Darstellung.
Ins Deutsche übersetzt: Das Imperium und seine europäische Sektion EU wollen den Menschen jetzt auch noch den politisch korrekten Umgang mit ihren Genitalien vorschreiben.

Das Thema “Pornographie” dient hier vor allem als Vehikel, eine ganz andere Botschaft zu transportieren; nämlich die Negierung biologisch determinierter Geschlechter und des natürlichen menschlichen Rollenverhaltens.

Zweitens geht es einmal mehr um Zensur generell. Engström erklärt, dass es sich bei der Entschliessung um einen Initiativbericht des Parlaments handelt, der eine Meinungsäusserung des EU-Gremiums darstellt. Falls die Entschliessung angenommen wird, „wird sie nicht automatisch zu einem Gesetz“.
Der Initiativbericht sei aber Grundlage für Gesetzesinitiativen der Europäischen Kommission an das EU-Parlament. Damit würden entsprechende Positionen der EU-Kommission in der Zukunft also gestärkt.

Der Vorstoß sei vergleichbar mit der Internet-Zensur-Initiative ACTA, so Engström. „Obwohl ich völlig einverstanden damit bin, dass die Beseitigung veralteter Geschlechterstereotypen in der EU ein lohnendes Ziel ist, werde ich nächste Woche gegen diesen Entschliessungsantrag stimmen“, erklärte der Abgeordnete.

Die Äusserung des schwedischen “Piraten” Christian Engström verdeutlicht, wie auch ein so verhältnismäßig aufgeklärter Zeitgenosse der imperialen Hegemonie auf den Leim geht.
Er identifiziert zwar den spezifischen Zensur-Charakter der EU-Politik, nicht jedoch den ideologischen Überbau und die Strategie, die letztlich der Durchsetzung und Sicherung der imperialen und kapitalistischen Machtverhältnisse dient.
Der Trick der imperialen Hegemonie und ihrer Propaganda besteht ja gerade darin, den Abbau demokratischer und sozialer Errungenschaften als emanzipatorisches Projekt zu verkaufen.
Die Logik lautet: Faschismus ist der neue Antifaschismus.

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4 Kommentare zu

EU will jetzt auch Kontrolle über Sexualverhalten

  1. Linker Männerfreund 9. März 2013 - 11:36 #

    Hallo, da hier von linker Seite Feminismuskritik geäußert wird, möchte ich für zwei Texte werben, die einerseits linken Maskulismus thematisieren und andererseits das fatale Zusammenspiel von Feminismus und Neoliberalismus sichtbar machen, beide etwas länger, aber es lohnt sich für die, die aufgeschlossen sind.
    Aber Vorsicht, diese Männerfreunde sind keine Nazis, wie immer besonders von FeministInnen behauptet wird:
    1. http://genderama.blogspot.de/2013/03/gastbeitrag-links-feministisch-vom-sinn.html
    2. http://www.cuncti.net/machbar/136-guy-fawkes-qwahrer-maskulismus-kann-nur-links-seinq

  2. Yussuf K. 9. März 2013 - 12:52 #

    Wen wundert sowas noch ernsthaft? Für dieses System ist das der normale Aggregatzustand. Ihr habt doch Frau_In Merkel gehört: “Alternativlos!”

  3. Clara 9. März 2013 - 13:41 #

    Philosoph Robert Pfaller im Gespräch
    Die Frauen haben ihre Waffen verloren

    (…) Ich bin allerdings nicht sicher, ob diese Waffe in Zukunft eine Waffe der Unterdrückten sein wird. Empörung ist keine Waffe der Frauen, sondern eine derjenigen, die den Zorn der Frauen geschickt auf irgendjemanden lenken können. Denn es geht dabei ja nie um die wirklich schlimmen Dinge, die Frauen passieren – oder auch Männern, um Abhängigkeit, Ausbeutung oder Gewalt. Sexualität eignet sich aber am besten dazu, das Problem in ein Faszinosum zu verwandeln. Das hängt mit einer zunehmenden Sexualfeindlichkeit zusammen. Die Gesellschaft blickt sehnsüchtig nach dem Sex, ist aber nicht mehr dazu in der Lage, ihn als normalen Modus des Lebens zu begreifen.

    (…) Es gab eine sehr symptomatische Äußerung von Tina Hildebrand in der Zeit, da schrieb sie: „Vor allem aber haben es immer mehr Frauen satt, sich wehren können zu müssen.“
    Das ist ein sehr interessanter Satz, weil er darauf verweist, dass Frauen paradoxerweise gerade durch ihre Befreiung weniger wehrhaft geworden sein könnten. Damen des 19. Jahrhunderts hätten einem Herrn, der einem so unangenehme Sachen sagt, vielleicht eine Ohrfeige mit dem Handschuh gegeben. Diese Art der Abstrafung ist aber ein Rollenprivileg. Wenn man die Rolle einer Dame spielt, hat man das Recht, Männer für kleine Übertritte so abzustrafen. Aber man hat das nur dank dieser Rolle.

    (…) Das kann zu einem Zustand führen, wie er in den Vereinigten Staaten zum Teil schon herrscht. Da hält kein Professor mehr eine Sprechstunde ab, ohne die Tür offen zu lassen. Und man darf nicht übersehen, dass das Teil einer neoliberalen Politik ist, die dafür sorgen will, dass der Staat zunehmend Polizeiaufgaben übernimmt und zugleich immer davon ausgeht, dass es wahnsinnig schwache Menschen gibt, die man durch Repressionsmaßnahmen schützen muss. Es ist ein sehr antimoderner Gedanke, wenn man davon ausgeht, dass keiner in der Lage ist, sich selbst in der Öffentlichkeit bis zu einem gewissen Grad behaupten zu können.

    Ich würde sagen, Befreiung ist überhaupt nur, wenn es keinen Verzicht gibt. Eine Kultur, die einen bestimmten erotischen Umgang als Normalton im Alltag gutheißt, wäre wesentlich gefeiter vor solchen obszönen Entgleisungen, weil es innerhalb des erotischen Spiels Regelmechanismen und Zurechtweisungen gäbe. Aber wenn man die Kultur enterotisiert, hat man nur noch diese obszönen Überbleibsel. Wenn man europäische Zivilisationsstandards erhalten möchte, muss man, glaube ich, auf zwei Ebenen entgegenarbeiten: Man muss Abhängigkeitsverhältnisse verringern. Und man muss kulturelle Mechanismen der Fehlerbestrafung entwickeln, die zwar beschämend sind, aber nicht vernichtend. Wenn die einzige Möglichkeit ist, den anderen zu vernichten, ist das, als ob jeder beim Fußball eine Pistole eingesteckt hat. Wir brauchen spielerische Gegenzüge, wir müssen lernen, unsere Rollen wieder lustvoller zu spielen, weil sie uns solche Machtmittel geben.

    Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/der-philosoph-robert-pfaller-im-gespraech-die-frauen-haben-ihre-waffen-verloren-12100411.html

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