NATO-Staaten sollen keine Uranmunition mehr einsetzen

Münchener Sicherheitskonferenz

- von Presseticker  -

A ussenminister Guido Westerwelle (FDP) soll sich auf der Münchener Sicherheitskonferenz am kommenden Wochenende für einen sofortigen Stopp des Einsatzes von Uranmunition der NATO-Verbündeten einsetzen.
Das fordern die ärztliche Friedensorganisation IPPNW und die deutsche Sektion der International Coalition to Ban Uranium Weapons (ICBUW).

Beide Organisationen engagieren sich für die weltweite Ächtung von Uranmunition, wie sie auch die Fraktion der Linken morgen im Bundestag fordert. In dem Antrag „Uranmunition ächten“ (Drucksache 17/11898) erheben die Abgeordneten auch ganz praktische Forderungen wie die Beseitigung der Folgen des Uranwaffeneinsatzes und die Entschädigung der Opfer, z.B. durch die Einrichtung einer Stiftung.

Japaner erforschen ein Panzergrab, das durch Strahlung von Depletetd Uranium kontaminiert ist, Irak 2007

Japaner erforschen ein Panzergrab, das durch Strahlung von Depletetd Uranium kontaminiert ist, Irak 2007

Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten lassen keinen Zweifel an den schweren gesundheitlichen Schäden von Uranmunition für die beteiligten Soldaten, aber auch für die Zivilbevölkerung in den betroffenen Ländern. Das haben IPPNW und ICBUW in einem kürzlich erschienenen Report ausführlich dargelegt.
„Die Ächtung von Uranmunition ist aus medizinischer und umweltwissenschaftlicher Sicht ausserordentlich dringlich“, erklärt Dr. Winfrid Eisenberg (IPPNW), einer der Autoren des Reports.

Prof. Manfred Mohr von ICBUW Deutschland ergänzt: „Auch aus Sicht des Völkerrechts, insbesondere des sogenannten Vorsorgeprinzips, lassen sich ein Einsatzverbot und die Notwendigkeit eines umfassenden Ächtungsvertrages für Uranmunition ableiten.“

Zunehmend erkennen auch Gerichte den kausalen Zusammenhang zwischen der Verwendung von Uranmunition und bestimmten Krebserkrankungen an. So hat Italien im Jahr 2009 30 Millionen Euro als Wiedergutmachungsfonds für kranke Soldaten bereitgestellt.
Am 26. Juni 2004 verurteilte ein Gericht in Rom das Verteidigungsministerium dazu, der Familie des Soldaten Stefano Melone 500.000 Euro zu zahlen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sein Tod „durch die Einwirkung von radioaktiven und krebserregenden Substanzen“ während seines Militärdienstes auf dem Balkan verursacht wurde. Er wurde nur 40 Jahre alt.
Auch Gerichte in Florenz (2008 – Fall Marica) und Cagliari (2011 – Fall Melis) billigten Entschädigungen im Zusammenhang mit Uran-Folgekrankheiten zu.

Den Angehörigen des Soldaten Andrea Antonci sprach im Oktober 2012 ein Gericht in Rom Anspruch auf eine Millionen Euro zu. Uranmunition wurde als eindeutiger Grund für die Entschädigung genannt.

Der Golfkriegsveteran Kenny Duncan bekam im Jahr 2004 von einem schottischen Gericht eine Kriegsrente zugesprochen. Auch hier wurde die Korrelation zwischen der Verwendung von Uranmunition und der Erkrankung anerkannt.

→ IPPNW/ICBUW-Report „Die gesundheitlichen Folgen von Uranmunition“ (PDF)

RF/IPPNW

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