Afghanistan: NATO-Strategie in der Kritik

Krieg aufgrund der US-Version zum 11. September 2001

- von Presseticker  -

W ie der britische TV-Sender Sky News berichtet, habe das Kommando der NATO-Truppen verfügt, ab dem 18. September die gemeinsamen Operationen mit der offiziellen “afghanischen Armee” (den NATO-Söldnern) auf der Ebene kleiner Einheiten einzustellen.
Diese Meldung erscheint vor dem Hintergrund zweier widersprüchlicher Erklärungen. Der Chef des US-Kriegsministeriums Pentagon Leon Panetta bezeichnete die sich häufenden Fälle, dass afghanische Polizisten und Soldaten Militärangehörige der NATO angreifen, als die „letzten Zuckungen“ der Taliban, die in die Reihen der nationalen Armee eingedrungen seien.
Der Stabschef der NATO-Aggressoren, Olivier de Bavinchove, sagte indessen, die Ursache seien nicht die Taliban, sondern andere Probleme.

In der jüngsten Zeit berichten die Nachrichtenagenturen nahezu täglich von blutigen Vorfällen, bei denen Angehörige der NATO-treuen Polizei und Armee Afghanistans ihren “Waffenbrüdern” der NATO in den Rücken schiessen oder sie aus nächster Nähe erschiessen.
Buchstäblich zwei Tage vor der oben erwähnten Entscheidung der NATO-Führung erschoss ein Afghane in Polizeiuniform zwei britische Soldaten in der Provinz Helmand. Und am selben Tag tötete ein anderer afghanischer Polizist in der Provinz Zabul vier US-Soldaten und verletzte zwei weitere.
Insgesamt sind seit Jahresbeginn nach einer Meldung des US-Propagandasenders CNN bei derartigen Vorfällen mehr als 50 Soldaten der imperialen NATO ums Leben gekommen.

Flagge der imperialen NATO

Flagge der imperialen NATO

Die Versuche von Leon Panetta und Olivier de Bavinchove dem Geschehen eine Erklärung zu geben, sind durchaus nachvollziehbar. Eine andere Sache sind die unterschiedlichen Herangehensweisen. Dem älteren atlantischen Partner in der NATO, der vor 11 Jahren angeblich “dem internationalen Terrorismus” den Krieg erklärt hatte und an der Spitze der imperialen NATO in Afghanistan einmarschiert war, fällt es heute schwer, die traurigen Ergebnisse dieses Feldzuges zuzugeben.
Umso mehr, als die USA für die Personalausbildung der afghanischen “Polizei” und Söldnertruppen verantwortlich sind. Letzteren steht bevor, nach dem Abzug der NATO-Invasoren die volle Verantwortung für die Situation im Land zu übernehmen. Gerade die USA, so teilt BBC mit, seien der Initiator der Reduzierung gemeinsamer Einsätze mit den afghanischen Söldnern geworden.

Der Befehlshaber der imperialen Truppen in Afghanistan, General John Allen, erklärte allerdings, es werde sich um eine teilweise Einschränkung handeln. Bestimmte Einsätze der ISAF-Truppen würden nicht abgesagt.
Gestoppt werden vor allem jene Operationen, an denen die NATO gemeinsam mit “Mitarbeitern der einheimischen Sicherheitskräfte” teilnehmen. Aber dennoch, so schlussfolgern Experten von BBC, werde dank des unternommenen Schrittes „die gesamte Strategie der NATO zur Übergabe der Kontrolle über die gesamtnationale Sicherheit an die afghanischen Regierungstruppen in ein Chaos gestürzt“.

In den NATO-Mainstreammedien sind bereits Prognosen aufgetaucht, dass die gegenwärtige Entwicklung des Geschehens zu einer Beschleunigung des Abzugs der westlichen Truppen aus Afghanistan führen könne. Der stellvertretende Direktor des russischen USA-und-Kanada-Instituts, Generalmajor a.D. Pawel Solotarjow, meint indessen, dass es kaum zu einer bedeutenden Änderung dieses Zeitplanes kommen werde.

„Das wurde alles erwartet, anders hätte es nicht sein können. Offenbar fühlen die USA dasselbe, was auch wir beim Zusammenwirken mit den afghanischen Regierungstruppen gefühlt haben. Nicht immer sind sie als unsere Bündnispartner aufgetreten.
Doch auf jeden Fall ist der Prozess zur Vorbereitung des Truppenabzuges im Gange. Die getroffene Entscheidung wird die Fristen kaum zusätzlich beschleunigen.“

In Europa werden Stimmen lauter, nicht nur die NATO-Missionen, ähnlich der in Afghanistan, zu überdenken, sondern auch die Rolle der imperialen Allianz in der heutigen Welt.

Dieser Tage erklärte zum Beispiel der französische General François Rivert, ein Weggefährte des neuen Präsidenten François Hollande, in der Zeitung Le Monde, die Strategie des Militärblocks widerspiegele ausschliesslich die Interessen der USA in ihrer „Version des 11. September 2001“.

RF/ruvr.ru

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