Julian Assanges (Wikileaks) Rede in London

Der US-Krieg gegen investigative Journalisten muss enden

- von RF  -

A m heutigen Sonntag trat der Gründer der Enthüllungsagentur Wikileaks, Julian Assange, erstmals seit zwei Monaten in der Öffentlichkeit auf. Assange befindet sich in London in der Botschaft von Ecuador, wo er politisches Asyl geniesst.

Julian Assange sprach zu den Medien und der Öffentlichkeit vom Balkon der Botschaft aus, hier seine Rede/Presseerklärung:

Ich stehe heute hier, weil ich nicht mit euch auf dem Platz zusammen sein kann. Aber ich danke euch für euer kommen, danke für eure Unterstützung und Anteilnahme.
Nachdem in der Nacht vom Mittwoch diese Botschaft bedroht und durch Polizeikräfte belagert wurde, seid ihr mitten in der Nacht hierher gekommen, um Öffentlichkeit herzustellen. Mit euch brachtet ihr die Augen der Welt.

Julian Assanges (Wikileaks) Rede in London

Nach Einbruch der Dunkelheit konnte ich in der Botschaft hören, wie Polizeieinheiten über die Feuerfluchtwege in das Gebäude einbrachen. Aber ich wusste, dass Dank euch Zeugen vor Ort sind.

Wenn Grossbritannien davor zurückschreckte, die Wiener Konventionen und internationales Recht zu verletzen, so geschah dies, weil die Welt zusah.
Und die Welt sieht zu, weil ihr zuseht.

Wenn euch also das nächste mal jemand erzählt, Widerstand sei irrelevant, erinnert denjenigen an eure Verteidigung des Rechts vor der Botschaft von Ecuador. Erinnert daran, wie die Morgensonne aufstieg und eine andere Welt das Licht erblickte, in welcher eine mutige lateinamerikanische Nation und Menschen mit Haltung standhaft blieben für Gerechtigkeit.

Ich danke Präsident Correa für seinen gezeigten Mut bei der Entscheidung meines politischen Asyls. Und ich danke auch der Regierung und im Besonderen Aussenminister Ricardo Patino, der die ecuadorianische Verfassung und die darin verankerten Bürgerrechte hoch hält. Und ich danke den Menschen in Ecuador für ihre Unterstützung und die Verteidigung dieser Verfassung.

Ebenso schulde ich Dank den Mitarbeitern dieser Botschaft, deren Familien in London leben und die mich höchst gastfreundlich aufnahmen, trotz der Drohungen, denen wir alle ausgesetzt sind.

Kommenden Freitag wird eine Dringlichkeitssitzung der Aussenminister Lateinamerikanischer Länder in Washington DC stattfinden, welche die aktuelle Situation zum Gegenstand hat.
Ich danke den Menschen und ihren Regierungen in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Kolumbien, El Salvador, Honduras, Mexiko, Nicaragua, Peru, Venezuela und all den anderen lateinamerikanischen Ländern, die erklärt haben, das Recht auf Asyl zu verteidigen.

Dank auch an die Menschen in den USA, Grossbritannien, Schweden und Australien, die mich konsequent unterstützt haben, auch wenn ihre Regierungen dies nicht taten.
Mein Dank gilt auch den weiseren Köpfen in diesen Regierungen, die weiterhin für Gerechtigkeit kämpfen. Ihr Tag wird kommen.

Nicht zu vergessen auch die Mitarbeiter, Unterstützer und Quellen von Wikileaks, deren Mut, Engagement und Loyalität vorbildlich ist.

Ich danke meiner Familie und meinen Kindern, denen ihr Vater vorenthalten wird. Vergebt mir, wir werden bald wieder vereint sein.

Die Bedrohung von Wikileaks bedeutet eine Bedrohung der Freiheit des Wortes und der demokratischen Gesellschaften. Wir müssen diese Entwicklung aufgreifen und unseren Widerstand artikulieren, bevor die Regierung der USA weitere Tatsachen schafft. Wird diese Regierung zu den revolutionären Werten zurückfinden, auf denen sie historisch gründet?
Oder wird sie in den Abgrund taumeln, der uns alle in eine gefährliche und repressive Welt hinabzieht, in welcher Journalisten aus Angst vor Repression verstummen und die Bürger nur noch im dunkeln zu flüstern wagen.

Ich sage, wir müssen diese fatale Entwicklung umkehren. Ich fordere Präsident Obama auf, das Richtige zu tun. Die USA müssen ihre Hexenjagd gegen Wikileaks und ihre FBI-Aktionen beenden. Die USA sollen erklären, dass sie unsere Mitarbeiter und Unterstützer nicht länger verfolgen werden.

Die USA sollen vor der Welt bekunden, dass sie nicht länger Journalisten verfolgen werden, die konspirative Verbrechen der Mächtigen ins Licht der Öffentlichkeit rücken.
Es muss Schluss sein mit dem irren Gerede über Anklagen gegen Medienorganisationen, sei es Wikileaks oder die New York Times.

Der US-Krieg gegen Presseinformanten muss enden. Thomas Drake, William Binney, John Kiriakou und andere engagierte investigative Journalisten müssen begnadigt bzw. für erlittenes Unrecht entschädigt werden, das ihnen für ihre Arbeit im Dienste der Allgemeinheit zugefügt wurde.

Der Soldat, der, wie die Vereinten Nationen festgestellt haben, in US-Militärgefängnissen misshandelt und gefoltert wird und der seit zwei Jahren in Haft kein Gerichtsverfahren erhalten hat, muss umgehend freigelassen werden.
Freiheit für Bradley Manning!

Wenn Bradley Manning das tat, wessen er beschuldigt wird, so ist er ein Held und uns allen ein Vorbild. Und er ist einer der prominentesten politischen Gefangenen weltweit.
Am Mittwoch verbrachte Bradley Manning seinen 815. Tag in Haft ohne Gerichtsverfahren. Das rechtlich zulässige Maximum beträgt 120 Tage.

Am Donnerstag wurde mein Freund Nabeel Rajab, Präsident des Menschenrechtszentrums in Bahrain, zu drei Jahren Haft verurteilt, wegen eines Tweets. Am Freitag wurde eine russische Band zu zwei Jahren Haft wegen einer politischen Performance verurteilt.
Die Unterdrückung zeigt Einigkeit – zeigen wir Einigkeit und Entschlossenheit in der Antwort darauf.

Ich danke ihnen.

RF/RT

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