Wer kämpft in Syrien?

Marketing und Propaganda im Krieg - von Thierry Meyssan

- von Presseticker  -

W ährend die westliche Presse die sog. “Freie Syrische Armee” (FSA) als eine revolutionäre Armee darstellt, sagt Thierry Meyssan seit mehr als einem Jahr, dass es sich im Gegenteil um eine konterrevolutionäre Aufstellung handelt. Ihm zufolge wäre sie allmählich aus den Händen der reaktionären Golfmonarchien zur Türkei übergegangen, die für die NATO handelt. Solch eine gegenströmige Behauptung bedarf einer fundierten Begründung.

Seit 18 Monaten ist Syrien das Opfer von Unruhen, die nicht aufgehört haben zuzunehmen, um sich zu einem grossen bewaffneten Konflikt zu entwickeln, welcher bereits den Tod von etwa 20.000 Menschen zur Folge hatte.
Wenn es dazu auch weitgehenden Konsens gibt, so divergieren doch darüber hinaus die Berichte und Interpretationen.

Für die westlichen Staaten und ihre Presse würden die Syrer eine westliche Lebensart in einer “Markt-Demokratie” anstreben. Den tunesischen, ägyptischen und libyschen Modellen des “arabischen Frühlings” folgend hätten sie sich aufgelehnt, um ihren Diktator Baschar al-Assad zu stürzen.
Dieser hätte die Demonstrationen blutig unterdrückt. Während der Westen gewünscht hätte zu intervenieren um “das Massaker zu stoppen”, hätten sich die Russen und Chinesen aus Berechnung oder aus Menschenverachtung der imperialen Intervention widersetzt.

Stattdessen hätten die USA für alle Staaten, die nicht auf Vasallentum reduziert wurden und für ihre Presse eine Operation gegen Syrien gestartet, welche bereits von langer Hand geplant war.
Zuerst durch ihren regionalen Verbündeten und dann direkt, hätten sie nach dem Vorbild der Contras in Nicaragua bewaffnete Banden infiltriert, die das Land destabilisierten.
Jedoch hätten sie dort nur eine sehr geringe interne Unterstützung gefunden und eine Niederlage erlitten, während die Russische Föderation und China die NATO gehindert hätten, die syrische Armee zu vernichten und das regionale Gleichgewicht zu brechen.

Wer hat Recht? Wer täuscht sich?

Die bewaffneten Gruppen in Syrien verteidigen nicht die Demokratie, sie bekämpfen diese

Zunächst ist die Interpretation der syrischen Ereignisse als eine Episode des “arabischen Frühlings” eine Illusion, denn dieser “Frühling” ist keine Realität. Es ist ein Werbeslogan um unterschiedliche Fakten positiv darzustellen.

Wenn es auch in der Tat eine populäre Revolte in Tunesien, Jemen und Bahrain gab, so war dies in Ägypten und Libyen nicht der Fall. In Ägypten beschränkten sich die Strassenproteste auf die Hauptstadt und die Mittelschicht, niemals, absolut niemals aber spürte sich das ägyptische Volk von dem auf dem Tahrir Platz sich abrollenden Fernsehspektakel betroffenen. [1]

In Libyen gab es keine politische Revolte sondern eine separatistische Bewegung von der Kyrenaika gegen die Macht von Tripolis und dann das militärische Eingreifen der NATO, das ca. 160.000 Menschen das Leben kostete.

Das libanesische Fernsehen NourTV war bei der Verbreitung einer Fernsehserie von Hassan Hamade und Georges Rahme mit dem Titel „Arabischer Frühling, von Lawrence von Arabien bis zu Bernard-Henri Lévy“ sehr erfolgreich.
Die Autoren entwickeln die Idee, dass der “Arabische Frühling” ein Remake von der “arabischen Revolte” von 1916-1918 sei, welche von den Briten gegen die Osmanen orchestriert wurde. Diesmal hat der Westen jedoch die Situationen manipuliert, um eine Generation von Führungskräften zu stürzen und die Muslimbruderschaft zu stärken.

Tatsächlich ist der “Arabische Frühling” demagogisches Marketing. Von nun an werden Marokko, Tunesien, Libyen, Ägypten und der Gaza-Streifen von einer Bruderschaft regiert, die einerseits eine moralische Ordnung auferlegt und andererseits den Zionismus und den pseudoliberalen Kapitalismus unterstützt, d.h. die Interessen Israels und der Angelsachsen.
Die Illusion hat sich in Luft aufgelöst. Einige Autoren, wie etwa der syrische Said Hilal Alcharifi, verspotten mittlerweile den “NATO-Frühling.”

Zweitens sind die Führer des sog. Syrischen Nationalrats (SNR) sowie der sog. Freien Syrischen Armee (ASL) keine Demokraten, in dem Sinne, dass sie für „eine Regierung des Volkes durch das Volk, für das Volk“ wären, nach der Formel von Abraham Lincoln, welche in der französischen Verfassung aufgegriffen wurde.

So war der erste Präsident des SNR der Pariser Akademiker Burhan Ghalioun. Er war in keiner Weise „ein syrischer durch das Regime verfolgter Gegner“ da er sich in seinem Land frei artikulieren konnte. Er war kein „säkularer Intellektueller“ wie er behauptete.
Er war der politische Berater des Algeriers Abbassi Madani, Präsident der Islamischen Wohlfahrts-Front (IWF), der jetzt im Emirat Katar Zuflucht fand.

Sein Nachfolger, Abdel Basset Syda [2], ist erst in den letzten Monaten in die Politik eingestiegen und hat sich umgehend als williger Vollstrecker der US-Hegemonie erwiesen.
Nach seiner Wahl an die Spitze des SNR hatte er sich dafür eingesetzt, nicht den Willen seines Volkes zu verteidigen, sondern die “Roadmap” zu implementieren, die Washington für Syrien vorbereitet hatte: „The Day After“.

Die Kämpfer der FSA sind auch keine Demokratie-Aktivisten. Sie erkennen die spirituelle Autorität des Scheich Adnan al-Arour an, ein takfiristischer Prediger-Ideologe, der zum Sturz und zum Tod von Bashar al-Assad aufruft, und zwar nicht aus politischen Gründen, sondern nur weil Assad Alawit ist, d.h. in seinen Augen ein Häretiker.

Alle identifizierten Offiziere der FSA sind Sunniten und alle Brigaden der FSA tragen Namen sunnitischer historischer Persönlichkeiten. “Revolutionäre Gerichte” von der FSA verurteilen ihre politischen Gegner zum Tod (und nicht nur Anhänger von Baschar al-Assad) und vergreifen sich an Ungläubigen, denen sie in aller Öffentlichkeit den Hals abschneiden.
Das ASL-Programm soll dem säkularen, von der Baath Partei, dem PSNS und den Kommunisten installierten Regime ein Ende setzen, zugunsten eines reinen sunnitischen sektiererischen Regimes.

Adnan Al Arour says that they will chop the Alawaites
who oppose the Syrian revolution

Der syrische Konflikt wurde vom Westen vorsätzlich geplant

Die westliche Intention Syrien ein Ende zu bereiten ist bekannt und diese reicht aus, um die aktuellen Ereignisse zu erklären. Wir rufen ein paar Fakten in Erinnerung, die keinen Zweifel über den Vorsatz der Ereignisse erlauben. [3]

Der Krieg gegen Syrien wurde von Präsident George w. Bush bei einem Treffen in Camp David am 15. September 2001, kurz nach den spektakulären Anschlägen in New York und Washington beschlossen. Es wurde geplant, gleichzeitig in Libyen und Syrien einzugreifen, um die Handlungsfähigkeit auf doppeltem Einsatzgebiet zu zeigen.
Diese Entscheidung wurde durch ein Interview des General Wesley Clark, oberster Ex-Kommandeur der NATO, bezeugt, welche dieser jedoch nicht teilte.

Wesley Clark – Kriege gegen den Irak, Iran, Syrien und Libyen seit langem geplant, 02.03.2007

Im Zuge des Sturzes von Bagdad, Irak im Jahr 2003 verabschiedete der US-Kongress zwei Gesetze, die dem Präsidenten der USA Anweisungen zur Vorbereitung eines Krieges gegen Libyen und einen weiteren gegen Syrien (Syria Accountability Act) gaben.

Im Jahr 2004 beschuldigte Washington Syrien, Massenvernichtungswaffen zu verstecken, die man nicht im Irak finden konnte. Diese Anklage ist im Sande verlaufen als klar wurde, dass es diese Waffen nie gegeben hatte und nur einen Vorwand lieferten, um im Irak einzumarschieren.

Im Jahr 2005, nach der Ermordung von Rafik Hariri, versuchte Washington den Krieg gegen Syrien zu entfachen, brachte dies jedoch nicht zustande, da Syrien seine Armee aus dem Libanon zurückzog.
Die USA brachten dann falsche Zeugenaussagen in Umlauf, um Präsident al-Assad als Drahtzieher des Angriffs zu beschuldigen und schufen ein internationales Tribunal, um ihn zu verurteilen. Aber sie wurden schliesslich gezwungen, ihre falsche Anklage zurückzuziehen, nachdem die Manipulationen ans Licht kamen.

Im Jahr 2006 begannen die USA die “syrische Revolution” vorzubereiten, indem sie das Syria-Democracy-Program erstellten. Es ging darum, pro-westliche Widerstandsgruppen aufzustellen und zu finanzieren (wie bei der Bewegung für Gerechtigkeit und Entwicklung).
Zur offiziellen Finanzierung des State-Departement kam eine geheime Finanzierung von der CIA über einen kalifornischen Verein, das Democracy Council, hinzu.

Noch in 2006 haben die USA mit Israel als Subunternehmen einen Krieg gegen den Libanon ausgelöst, in der Hoffnung, Syrien in den Konflikt verwickeln und dann in der Konsequenz gegen Syrien einschreiten zu können.
Aber der rasche Sieg der Hisbollah brachte auch diesen Plan zum Scheitern.

Im Jahr 2007 griff Israel Syrien an und bombardierte u.a. eine militärische Einrichtung (Operation Orchard). Aber auch diesmal behielt Damaskus seine Beherrschung und liess sich nicht auf den inszenierten Krieg ein. Nachfolgende Audits von der Internationalen Atomenergie-Organisation (AIEA) belegten, dass es sich nicht um einen Kernkraft-Projekt handelte, wie hingegen die israelische Propaganda behauptet hatte.

Im Jahr 2008 anlässlich der u.a. durch die NATO organisierten Bilderberg-Konferenz, erklärten die Direktorin der Arabischen Reform Initiative (Arab Reform Initiative), Bassma Kodmani, und der Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, Volker Perthes, die wirtschaftlichen, politischen und militärischen Vorteile einer möglichen Intervention der Allianz in Syrien.

Im Jahr 2009 baute die CIA Propaganda-Instrumente, wie den BaradaTV-Sender mit Sitz in London und OrientTV mit Sitz in Dubai, auf.

Diesen historischen Elementen fügen wir hinzu, dass ein Treffen in der zweiten Februarwoche 2011 in Kairo stattfand, mit John McCain, Joe Lieberman und Bernard-Henry Levy, mit libyschen Figuren wie Mahmoud Jibril (später die Nummer 2 der von der NATO etablierten libyschen “Regierung”) und syrischen Persönlichkeiten wie Malik al-Abdeh und Ammar Qurabi.
Es ist dieses Treffen, welches das Startsignal zu den geheimen Operationen gab, die zeitgleich in Libyen und Syrien (15. Februar in Bengasi und am 17. in Damaskus) begannen.

Im Januar 2012 bildeten die US Aussen- und Verteidigungsministerien die Arbeitsgruppe „The Day After. Supporting a democratic transition in Syria“ (Am Tag danach. Unterstützung eines demokratischen Übergangs in Syrien), die sowohl eine neue Verfassung für Syrien als auch ein Regierungs-Programm beinhaltete. [4]

Im Mai 2012 erstellten die NATO und der GCC die Working Group on Economic Recovery and Development of the Friends of the Syrian People (Arbeitsgruppe für wirtschaftliche Erholung und Entwicklung der Freunde des syrischen Volkes), unter deutschem und der Vereinigten Arabischen Emirate Ko-Vorsitz.
Der syrisch-britische Ökonom Ossama el-Kadi bereitete eine Aufteilung der syrischen Ressourcen zwischen den Mitgliedstaaten der Koalition vor, die am “Tag danach” angewendet werden sollte (d.h. nach dem Sturz des Regimes durch die NATO und die CGC). [5]

Revolutionäre oder Konterrevolutionäre?

Die bewaffneten Gruppen erwuchsen nicht aus den friedlichen Protesten des Februars 2011. Diese Proteste prangerten tatsächlich Korruption an und forderten grössere Freiheiten, während die beschriebenen bewaffneten Gruppen sich aus dem Islamismus rekrutieren.

In den vergangenen Jahren wurde Syrien durch eine fatale Wirtschaftskrise betroffen. Es waren Missernten, die zu Unrecht als vorübergehend betrachtet wurden, während sie die Folgen von langfristigen Klimaveränderungen waren. Dazu kamen Fehler bei der Umsetzung der Wirtschaftsreformen, die den primären Sektor schädigten.
Es folgte eine massive Landflucht, welche die Regierung einzudämmen versuchte und eine sektiererische Bewegung unter Teilen der Bauernschaft, die von der Regierung vernachlässigt wurden. In vielen Regionen sind die ländlichen Häuser nicht in Dörfern konzentriert, sondern verstreut als isolierte Bauernhöfe und niemand hatte das Ausmaß des Phänomens erfasst, bis sich die Betroffenen organisierten.

Während die syrische Gesellschaft das Paradigma der religiösen Toleranz verkörpert, entwickelte sich letztlich in ihrem Inneren eine Takfiristen-Ideologie. Diese hat die Grundlage für bewaffnete Gruppen konstituiert. Sie wurden erheblich von den Wahhabiten-Monarchien (Saudi-Arabien, Katar, Sharjjah) finanziert. [6]

Diese Bewegung wurde der Sammelpunkt für neue Kämpfer, unter denen man die Verwandten der Opfer der massiven Unterdrückung des blutigen, misslungenen Staatsstreichs der Muslimbruderschaft von 1982 findet. Ihr Motiv ist oft weniger ideologisch als persönlich. Es ähnelt der Vendetta.

Durch das leicht gewonnene Geld angezogen, kamen viele Schläger und gewöhnliche Kriminelle hinzu: Ein “Revolutionärer” wird 7-mal besser bezahlt (mit ausländischem Geld) als das durchschnittliche Gehalt.

Schliesslich sind Berufssöldner, die bereits in Afghanistan, Bosnien, Tschetschenien oder Irak gekämpft haben hinzugekommen. In erster Linie die der Al Qaida aus Libyen, unter der Führung von Abdelhakim Belhaj persönlich. [7]
Die Medien präsentieren sie als Dschihadisten, was unangebracht ist, weil der Islam keinen Heiligen Krieg gegen gleichgesinnte Mohammedaner erlaubt. Es sind in erster Linie ordinäre Söldner.

Die westliche Presse und der Golfstaaten bestand auf das Vorhandensein von Deserteuren in der FSA. Dies gilt als sicher, aber es ist falsch, dass diese nach der Weigerung, politische Demonstrationen zu unterdrücken, übergetreten wären.
Die Deserteure gehören fast ausnahmslos zu den geschilderten Gruppen. In einem Heer von über 300.000 Mann finden sich stets religiöse Fanatiker und Handlanger.

Die bewaffneten Gruppen verwenden eine syrische Flagge mit einem grünen Streifen (statt dem roten Band) und mit drei Sternen (statt zwei). Die westliche Presse nennt diese „die Fahne der Unabhängigkeit“, weil sie zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit des Landes im Jahre 1946 offizielle Landesflagge war.
In Wirklichkeit ist es die Flagge des französischen Mandates, die während der formalen Unabhängigkeit des Landes (1932 – 1958) in Kraft blieb. Die drei Sterne repräsentieren die drei Glaubens-Kreise des Kolonialismus (Alawiten, Drusen und Christen).
Diese Flagge zu verwenden ist sicherlich kein revolutionäres Symbol. Vielmehr bedeutet es das koloniale Projekt zu verlängern, jenes des Sykes-Picot-Abkommens von 1916 und des Umbaus des “Grösseren mittleren Ostens”.

In den 18 Monaten des militärischen Konflikts haben sich diese bewaffneten Gruppen strukturiert und mehr oder weniger koordiniert. Im der aktuellen Situation haben sich die meisten unter das türkische Kommando und die Corporate Identity der Freien Syrischen Armee (FSA) gestellt.
Tatsächlich sind sie Agenturen der NATO geworden, das Hauptquartier der ASL ist sogar in der Air Base der NATO von Incirlik installiert. Die extremsten Islamisten bildeten ihre eigenen Organisationen oder sind der al-Qaida beigetreten. Sie stehen unter der Kontrolle des Emirat Katar oder der Zweigniederlassung Sudeiri der saudischen Königsfamilie. [8]
De facto sind sie an Anhängsel des US-Geheimdienstes CIA.

Dieser progressive Aufbau, der mit armen Bauern beginnt und mit einem Zustrom von Söldnern endet, ist identisch mit dem, was man in Nicaragua kannte, als die CIA die Contras gegen die Sandinisten organisierte oder was man in Cuba erlebt hatte, als die CIA die Invasion in der Schweinebucht organisierte, um die Regierung unter Fidel Castro zu stürzen.
Es ist erneut dieses Modell, welches auch die bewaffneten Banden in Syrien praktizieren: im Mai 2012 haben cubanische Contras in Miami, USA Trainings-Seminare der konterrevolutionären Guerilla für ihre syrischen Kollegen organisiert. [9]

Die Methoden der CIA sind überall die gleichen. So haben die syrischen Contras ihre militärische Aktionen einerseits auf die Schaffung von festen Basen konzentriert (aber keine dauerte an, nicht einmal das islamische Emirat von Baba Amr), und dann auf die Sabotage der Wirtschaft (Zerstörung von Infrastruktur und Brandstiftung in Grossanlagen), und zuletzt auf Terrorismus (Entgleisung von Personenzügen, Autobombenanschläge in stark besuchten Orten, Mord von religiösen, politischen und militärischen Führern).

Daher sind die Teile der syrischen Bevölkerung, die zu Beginn der Ereignisse noch Sympathie für die bewaffneten Gruppen aufbrachten, weil sie dachten, dass diese eine Alternative zur derzeitigen Regierung darstellten, wieder von diesen Gruppen abgerückt.

Ohne Überraschung bestand die Schlacht von Damaskus darin, die 7.000 im Land verstreuten und in Nachbarländern bereit stehendenden Kämpfer und Söldnerbrigaden in der Hauptstadt zu vereinen. Zehntausende von Contras versuchten in das Land einzudringen. Sie rückten geschlossen in langen Pick-Up-Kolonnen vor und durchquerten vorzugsweise die Wüsten statt die Autobahnen zu nutzen.

Ein Teil davon wurde durch Luftangriffe gestoppt und musste sich zurückziehen. Andere konnten nach Einnahme von Grenzposten bis in die Hauptstadt vordringen. Sie trafen dort jedoch nicht auf die erwartete Unterstützung.
Stattdessen waren es die Einwohner, welche die Soldaten der Armee führten, um die Söldner zu identifizieren. Am Ende wurden diese zum Rückzug gezwungen und kündigten an, dass sie mangels Erfolg in Damaskus nunmehr Aleppo einnehmen würden.
Darüber hinaus wurde offenbar, dass sie weder aufständische Damaszener, noch Alepper sind, sondern mobile Kämpfer.

Vorrückende Contras durch die Wüste nahe Dera

Die Unbeliebtheit der bewaffneten Gruppen sollte mit der Popularität der regulären Armee und der Selbstverteidigungs-Milizen verglichen werden. Die syrische Armee ist eine Armee mit Wehrpflicht, sie ist eine Volksarmee und es ist unvorstellbar, dass sie für politische Repression verwendet werden könnte.
Vor kurzem hat die Regierung die Errichtung von Nachbarschafts-Milizen autorisiert. Sie verteilte Waffen an Bürger, die sich verpflichteten, zwei Stunden täglich ihre Nachbarschaft unter militärischer Aufsicht zu verteidigen.

Ein X für ein U vormachen

US-Präsident Ronald Reagan begegnete in seiner Zeit einigen Schwierigkeiten, die Contras als “Revolutionäre” zu vermarkten. Er schuf dafür eine Propaganda-Struktur, das Amt für öffentliche Diplomatie, deren Führung er Otto Reich übertrug. [10]

Reich korrumpierte die Journalisten in den meisten grossen US- und europäischen Medien, um die öffentliche Wahrnehmung zu vernebeln. Unter anderem erfand er das Gerücht, dass die Sandinisten chemische Waffen besässen und sie gegen ihr eigenes Volk verwenden würden.
Heute wird Propaganda im Weissen Haus von dem stellvertretenden Nationalen Sicherheitsberater für strategische Kommunikation, Ben Rhodes geleitet. Er nutzt die alten bewährten Methoden und hat ebenfalls gegen Präsident al-Assad das Gerücht über chemische Waffen in Umlauf gebracht.

In Zusammenarbeit mit dem britischen MI6 war es Rhodes gelungen, als Hauptquelle der “Informationen” für die westlichen Presseagenturen eine virtuelle Struktur zu etablieren: die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (OSDH).
Die Mainstreammedien haben die Glaubwürdigkeit dieser Signatur nie bezweifelt, obwohl ihre Behauptungen durch Beobachter der Arabischen Liga und der Vereinten Nationen (UNO) widerlegt wurden.

Besser noch, diese virtuelle Struktur, die über keine Räumlichkeiten, Personal oder Fachwissen verfügt, ist auch die Quelle der “Informationen” der europäischen Aussenministerien geworden, nachdem das Weisse Haus sie überzeugt hatte, ihr diplomatisches Personal aus Syrien abzuziehen.

Auf die Live-Übertragung wartend telephoniert der AlJazeera-Korrespondent Khaled Abu Saleh mit seiner Redaktion. Er behauptete wahrheitswidrig, dass Baba Amr bombardiert werde und streute die Desinformation.
Abu Saleh war Ehrengast des französischen Präsidenten François Hollande
auf der 3. Konferenz der sog. “Freunde Syriens”

Ben Rhodes organisierte ebenfalls Spektakel für Journalisten, die nach besonders emotionalen Berichten verlangten. Zwei Reise-Leitstellen wurden eingerichtet, eine vom Büro von türkischen Premierministers Erdogan und die zweite vom Kabinett des ehemaligen libanesischen Premierministers Fouad Siniora.
Journalisten, die wünschten illegal nach Syrien einzureisen, wurden eingeladen. Monatelang wurde eine Reiseroute angeboten, die von der türkischen Grenze bis zu einem syrischen Bergdorf mit “Zeugen” führte. Man konnte dort Bildmaterial mit vermeintlichen “Revolutionären” erstellen und das „tägliche Leben der Veteranen“ teilen.
Dann, für die Sportlichsten, konnte man von der libanesischen Grenze aus dem islamischen Emirat von Baba Amr einen Besuch abstatten.

Viele Journalisten entdeckten selbst grobe Fälschungen, zogen daraus aber keine Schlüsse. So hat ein berühmter Photoreporter “Revolutionäre” von Baba Amr beim Verbrennen von Autoreifen gefilmt – eine Methode um schwarzen Rauch zu erzeugen – und so eine Bildkulisse zu erzeugen, welche die Behauptung einer Bombardierung untermauern sollte. Er veröffentlichte diese Bilder auf Channel4 [11], behauptete jedoch weiterhin, dass er Zeuge der Bombardierung von Baba Amr war, die von der “Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte” kolportiert wurde.

Das US-Magazin New York Times stellte fest, dass die vom Pressedienst der Freien Syrischen Armee gesendeten Photos und Videos, die “tapfere Kämpfer” zeigen sollten, inszenierte Fälschungen waren. [12]
Die präsentierten Kriegswaffen waren tatsächlich Repliken, Spielzeug für Kinder. Die Zeitung glaubte jedoch weiterhin an die Existenz einer Armee von 100.000 Deserteuren.

Verkündung einer Deklaration der sog. “Freien Syrischen Armee”.
Die stolzen “Deserteure” sind Statisten, die Waffen-Attrappen tragen

Hier ist ein Muster zu beobachten: Kommerzielle Journalisten bevorzugen es mitunter lieber zu lügen, als öffentlich zu machen, dass sie bewusst manipuliert und getäuscht wurden.
Sobald ihnen der Schwindel bewusst wird, tragen sie also aktiv zur Desinformation bei.
Die Frage ist, ob Sie, Leser dieses Artikels, es auch vorziehen ein Auge zuzudrücken, oder ob Sie es vorziehen, das syrische Volk gegen die Aggression zu unterstützen.

Thierry Meyssan ist französischer Intellektueller, Präsident und Gründer des Réseau Voltaire und der Konferenz Axis for Peace. Er veröffentlicht Analysen über internationale Politik in der arabischen, lateinamerikanischen und russischen Presse. Letztes, auf Französisch veröffentlichte Werk: L’Effroyable imposture, Tome 2, Manipulations et désinformations, JP Bertand 2007.

RF/El-Akhbar – Übersetzung voltairenet.org – Horst Frohlich

  1. Der Tahrir-Platz ist nicht der grösste in Kairo. Er wurde aus Marketing-Gründen gewählt, da das Wort Tahrir in europäischen Sprachen Freiheit bedeutet. Natürlich wurde dieses Symbol nicht von den Ägyptern gewählt, da es mehrere Worte auf Arabisch für die Freiheit gibt. Tahrir ist jedoch begrifflich die Freiheit, die empfangen wird, nicht jene, die man erstreitet.
  2. Anmerkung: Die westliche Presse ist gewohnt, den Namen des Herrn Syda zu editieren, indem sie ein “a” an “Sayda” hinzufügt, um Verwechslungen mit der gleichnamigen Krankheit (deutsch: AIDS) zu verhindern.
  3. Anmerkung: Normalerweise stammt der Begriff “Vorsatz” aus dem Strafrecht. In politischen Angelegenheiten ist der treffende Ausdruck “Komplott”, aber der Autor hat darauf verzichtet diesen zu verwenden, da er eine hysterische Reaktion seitens derer hervorruft, die sich bemühen glauben zu machen, dass westliche Politik transparenter und demokratischer ist.
  4. Washington a rédigé une nouvelle constitution pour la Syrie, Réseau Voltaire 21.07.2012
  5. Les “Amis de la Syrie” se partagent l’économie syrienne avant de l’avoir conquise, German Foreign Policy, traduction Horizons et débats, Réseau Voltaire 14.06.2012
  6. Sharjjah gehört zu den sieben Emiraten, aus denen sich die Vereinigten Arabischen Emirate zusammensetzen.
  7. Die Syrische Freie Armee wird von dem Militärgouverneur von Tripolis kommandiert, Thierry Meyssan, Traduction Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk 19.12.2011
  8. Konterrevolution im Nahen-Osten, Thierry Meyssan, Traduction Horst Frohlich, Komsomolskaïa Pravda , Voltaire Netzwerk 09.06.2011
  9. L’opposition syrienne prend ses quartiers d’été à Miami, Agence Cubaine de Nouvelles, Jean Guy Allard, Réseau Voltaire 25.05.2012
  10. Otto Reich et la contre-révolution, Arthur Lepic, Paul Labarique, Réseau Voltaire 14.05.2004
  11. Syria’s video journalists battle to tell the ’truth’, Channel4, 27.03.2011
  12. Syrian Liberators, Bearing Toy Guns, C. J. Chivers, The New York Times 14.06.2012

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