Ein Gespräch von Jid zu Jid

Dr. Siamak Morsadegh aus Teheran zu Gast in Berlin

- von Reuven Jisroel Cabelman  -

I n der deutschen Hauptstadt traf ich zu einem mehrstündigen Meinungsaustausch mit dem jüdischen Parlamentsabgeordneten der Islamischen Republik Iran zusammen.
Dr. Siamak Morsadegh sitzt nicht nur als Vertreter der jüdischen Minderheit des Iran im Hohen Hause der Republik sondern ist obendrein Chefarzt des Jüdischen Krankenhauses Teherans, dessen Budget erst kürzlich vom iranischen Präsidenten Ahmedinedschad großzügig bezuschußt wurde.

Wie die meisten iranischen Juden blickt auch der Politiker auf eine lange Ahnenreihe persisch-stämmiger Juden zurück und dementsprechend tief mit seiner Heimat verwurzelt präsentiert er sich mir gegenüber.
Schließlich gehört die jüdische Gemeinde des Landes von Mordechai dem Gerechten, Königin Esther und dem Propheten Daniel mit einer über 2700 Jahre anhaltenden jüdischen Präsenz zu den ältesten der Welt und – sehr zum Leidwesen der Zionisten – immer noch zu den größten des Mittleren Ostens.

Reuven Jisroel Cabelman

Reuven Jisroel Cabelman

So sind die jahrhundertealten Gräber der Morsadegh-Familie in verschiedenen Gegenden des Iran verteilt und zeugen davon, daß ein Teil seiner Vorfahren auch zu den von allen religiösen Bevölkerungsgruppen geschätzten “Mullahs”, den rabbinischen Authoritäten des Landes, gehörte.

Dr. Siamak Morsadegh wirkt sympathisch-hemdsärmelig in seiner legeren, den brennenden Berliner Sonnenstrahlen angepaßten Kleidung. Er weiß genau wovon er spricht, wenn er mir mit Bestimmtheit und absoluter Überzeugung erklärt, Antisemitismus sei eine „europäische Erfindung“, die es im Orient und vor allem in Iran, so nie gegeben hätte und heutzutage – Baruch Hashem – auch nicht existiere.

Alles, was zu einem jüdischen Leben gehöre, so erklärt der Teheraner Arzt bei Tee und Kaffee, sei in Hülle und Fülle vorhanden. Alleine in der Hauptstadt existierten neben der unter jüdischer Leitung befindlichen Klinik ungefähr 30 Bethäuser, eine große Bibliothek, ein Altersheim, mehrere Kosher-Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten.

„Bis hin zum kosher geschochtenen Fleisch ist alles da. Als Juden sind wir respektiert und geachtet“, fügt er selbstbewußt an, „davon könnt Ihr hier in Europa nur träumen“.

Die Identifikation mit dem Land und seiner politischen Führung seitens der persischen Judenheit, so berichtet der Parlamentarier, ließen keinen Raum für Spekulationen.
Man sei stolz iranischer Jude zu sein, man liebe sein Vaterland, diene ihm und werde es wie bereits im irakisch-iranischen Krieg nötigenfalls auch mit der Waffe verteidigen.

Natürlich interessiert mich als deutschen Juden ganz besonders seine Einschätzung deutscher Außenpolitik. Ich frage ihn deshalb direkt nach aktuellen Themen wie U-Bootlieferungen aus deutscher Herstellung an den zionistischen Staat, nach den Wirtschaftssanktionen gegen sein Heimatland und den eventuell bevorstehenden zionistisch-imperialistischen Militärangriff auf den Iran.

Auch hier hält er nicht hinterm Berg mit seiner Meinung. Die gegenwärtige Außenpolitik der Regierung Merkel sei überhaupt keine deutsche und absolut nicht im nationalen Interesse Deutschlands.
Auch deshalb habe er sich während seines Besuchs in Deutschland mit Bundestags-Parlamentariern aus den Parteien und Beamten der Ministerien getroffen.

„Wir schätzen und achten das deutsche Volk“, sagt der iranische Abgeordnete, „doch Boykotte gegen den Iran schaden den Deutschen und nichts uns“.

Klarstellen will er bei solchen Konsultationen, daß das iranische Volk und seine Regierung keinerlei aggressive Absichten hege und die persischen Juden nicht nur hinter ihrer Regierung stünden sondern vor allem auch ein tiefes Mitgefühl für die Leiden des palästinensischen Volkes habe.
Mit dem Hinweis darauf, daß das Jüdische Krankenhaus in Teheran im letzten Gaza-Krieg auch viele palästinensische Verwundete medizinisch versorgt habe, schließt sich der Kreis unseres Gesprächs.

Daß er – trotz einer rechtzeitig gestellten Anfrage – von den selbsternannten offiziellen Vertretern des Zentralrats – noch nicht einmal eine Antwort erhielt, ob man sich mit ihm treffen wolle oder nicht, wirft abermals ein grelles Licht auf die angebliche Liebe zu Juden, die diese Clique fortwährend für sich in Anspruch nimmt.
Geht es ihnen doch in Wahrheit nur um die Unterstützung eines fremden Staates von deutschem Boden aus – egal wieviele persische Juden bei einem zionistischen Angriff auf Teheran als “Kollateralschäden” ihr Leben lassen müßten.

RF/Der Israelit

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