Interview Prof. Dr. Shlomo Sand: Wie das jüdische Volk erfunden wurde

Interview mit dem Historiker Prof. Dr. Shlomo Sand zu seinem Buch "Wie das jüdische Volk erfunden wurde" – eine Auseinandersetzung mit zionistischen Mythen - von Eugenio Garcia Gascon, Tel Aviv (pcv)

- von RF  -

S hlomo Sand, Professor für Europäische Geschichte an der Universität Tel Aviv, publizierte in Israel „Wie das jüdische Volk erfunden wurde“. In diesem Buch stellt er einige Grundsätzlichkeiten der offiziellen zionistischen Geschichtsdarstellung in Frage.

Das Buch enthält zwei Thesen, die in der Vergangenheit einen gewissen Ruf auch unter zionistischen Geschichtswissenschaftlern hatten. Aber heute sind sie archiviert worden: dass die gegenwärtigen Juden aus fernen Völkern abstammen, sich fernab Palästinas zum Judentum konvertiert haben und somit nicht von den einstigen Juden abstammen. Und dass die arabischen Palästinenser die einzigen Menschen sind, die von den einstigen Juden abstammen.

Eugenio Garcia Gascon EGG: Auszusprechen, dass das jüdische Volk eine Erfindung des 19. Jahrhunderts ist, scheint eine Provokation zu sein.

Shlomo Sand SHS: Ende des 18. Jahrhunderts und Anfang des 19. Jahrhunderts entstand der Nationalismus. Und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Idee des jüdischen Nationalismus zementiert.

Die Franzosen wussten, dass ihr Volk seit den Galliern existierte. Die Deutschen wussten, dass ihr Volk seit den Teutonen existierte. Und die Juden begannen zu denken, dass sie ein Volk seit dem zweiten Tempel waren.

EGG: Und nach Ihrer Meinung ist das nicht richtig.

SHS: Ich vertrete, dass dies eine „Erfindung“ ist. Gleichfalls glaube ich nicht, dass es vor 250 Jahren ein französisches Volk gab. Die Mehrheit, die im französischen Königreich lebte, wusste gar nicht, dass sie Franzosen waren. Sogar in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wussten sie es noch nicht.

Dennoch haben die Juden immer eine Identität gehabt.

Ich glaube nicht, dass es bis vor kurzem ein jüdisches Volk gegeben hat. Ich würde Ihnen sogar sagen, dass ich nicht einmal denke, dass es heute ein jüdisches Volk gibt.

EGG: Warum?

SHS: Die Bibel ist kein Geschichtsbuch. Sie ist ein Buch der Theologie. Es waren die Protestanten und später die Juden, die aus der Bibel ein Geschichtsbuch machten.

EGG: Das jüdische Volk ist eine christliche Erfindung?

SHS: Genauso ist es. Nehmen wir mal als Beispiel die sogenannte jüdische Vertreibung. Die Vertreibung gab es nie. Als die Römer den Tempel im Jahr 70 der christlichen Ära zerstörten, da vertrieben sie die Juden nicht mit Gewalt. Die Römer vertrieben niemals Völkerschaften. Dies taten jedoch die Syrer und die Babylonier mit einigen Eliten.

EGG: Wann begann denn diese Version der Geschichte?

SHS: Die zionistische Geschichte griff einen christlichen Mythos des Märtyrers Justino auf, welcher als erster im 3. Jahrhundert sagte, dass Gott die Juden mit der Vertreibung bestrafte, weil sie Jesus nicht akzeptierten. Da wird erstmals bestätigt, dass die Juden vertrieben wurden.

EGG: Ja, aber, es gab keine Deportation …

SHS: Richtig ist, dass die Römer den Juden nicht erlaubten, dass sie in Jerusalem lebten. Aber die Christen brachten die Phantasie hervor, dass ihnen nicht erlaubt worden war, in ganz Judäa zu leben.

Die Wurzel des Mythos von der jüdischen Vertreibung ist christlich. Es gab niemals eine Vertreibung. Es gibt kein wissenschaftliches Buch, welches von Vertreibung spricht.

Auf den Geldscheinen von 50 Schekeln wird gesagt, dass Titus die Juden vertrieben hatte. Aber dies ist ein Mythos.

EGG: Dies steht dem gegenüber, was gemeinhin gesagt wird.

SHS: So ist es. Obwohl es jetzt Historiker gibt, die sagen „Gut, es gab keine Vertreibung, aber es gab Abwanderung“. Richtig ist, dass mit den Griechen und den Phöniziern die Juden durch den Mittelmeerraum reisten…

EGG: Vielleicht ist das nicht richtig? In Spanien hatte es in jener Epoche schon Juden gegeben.

SHS: Vor Jesus Christus gab es in Palästina zwischen einer halben Million und eine Million Juden. Die überwältigende Mehrheit, 90 Prozent oder vielleicht 95 Prozent waren Bauern.

Die Juden waren nicht wie die Phönizier oder die Griechen, sie reisten nicht wie jene über das Meer. Der Anteil jener von ihnen, die abwanderten, ist unendlich klein.

EGG: Auch nach der Zerstörung des Tempels im Jahre 70?

SHS: Auch dann noch. Vor dem Jahre 70 in der Zeit von den Makabäern bis Hadrian erfolgte der Beginn des Zerbröselns des Judentums. Aber aufgepasst: Das Judentum zerbröselte, nicht die Juden!

Es ist richtig, dass Kaufleute und Söldner abwanderten. Sie nahmen die monotheistische Idee mit sich. Aber das waren nicht viele. Die Makabäer eroberten Edom und erzwangen mit Gewalt bei dessen Bewohnern, zum Judentum zu konvertieren.

Dasselbe passierte in Galilea. Seit dem 2. Jahrhundert vor Christus bis zum 2. Jahrhundert nach Christus war das Judentum der erste bekehrende Monotheismus.

EGG: Ereignete sich dasselbe in der Diaspora?

SHS: Im Mittelmeerraum Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus gab es 4 Millionen Angehörige des jüdischen Glaubens. In jener Bekehrungszeit festigt sich das Judentum im Mittelmeerraum.

EGG: Wollen Sie damit sagen, dass die Mehrheit der Juden des Mittelmeerraumes nicht aus Palästina kamen?

SHS: Ganz genau, die ganz grosse Mehrheit kam nicht aus Palästina. Sie wurden bekehrt. Seit der Epoche von Hadrian im 2. Jahrhundert erfuhr man einen drastischen Fall der Zahl an Juden, weil viele zum Christentum übertraten. Von 4 Millionen jüdischen Gläubigen sank die Zahl auf eine Million.

EGG: Sie konvertierten zum Christentum?

SHS: Und was ich jetzt sagen werde ist auf Spanien bezogen. Zu Beginn des 4. Jahrhunderts erfolgte der Sieg des Christentums mit Konstantin und vermindert sich die Zahl der Juden. Das Judentum überwiegt vor allem in Palästina, in Babylonien und in Nordafrika. In Nordafrika kämpften im 7. Jahrhundert mit dem Aufkommen des Islam die Juden gegen den Islam.

Es gab eine jüdische Berberkönigin, Dahia Kahina, die gegen die Muslime kämpfte. Der arabische Historiker Ibn Jaldun erwähnt, dass es in dem Gebiet sehr volkreiche jüdische Stämme gab. Die Königin Kahina starb im Kampf gegen die Muslime im Jahr 694.

Tariq ibn Ziyad, der Eroberer Spaniens im Jahre 711, war Berber. Es gibt viele christliche Zeugnisse, die besagen, dass die Eroberer Juden und Muslime waren. Viele Juden reihten sich in das muslimische Heer ein, denn sie litten sehr unter den visgotischen Königreichen.

EGG: Erst dann kamen die Juden massenhaft nach Spanien?

SHS: Ich habe mich oft gefragt, warum es so viele Juden in Spanien und nicht in Frankreich oder Italien gegeben hatte. Warum hatte es so viele Juden in einem von Palästina geographisch entfernteren Gebiet gegeben?

Es ist offensichtlich, dass es einige Söldner und Kaufleute gab, die sich bekehren liessen, wie in Frankreich oder Italien. Aber, warum gibt es so plötzlich so viele Juden in Spanien? Ich glaube, dass die Antwort in der Berbereroberung der Juden und Muslime ganz bestimmt zu suchen ist.

Der Eroberer Tariq ibn Ziyad gehörte zum Stamm der Nafusa. Derselbe Stamm, dem die Königin Kahina angehörte.

Wenn im Jahre 711 Tariq einen so hohen Posten bekleidete, ist es gut möglich, dass er im Jahre 694 ein Söldner im Judenheer von Kahina war. Es kann nicht anders sein.

Mit grosser Sicherheit war Tariq ein Jude, der zum Islam konvertierte. Wenn man frühere Zeugnisse liest, dann sieht man, dass die Christen sowohl die Muslime als auch die Juden wegen der Eroberung Spaniens anklagten. Ich glaube, dass deshalb die Zahl der Juden in Spanien sehr stark über der Zahl der Juden in Frankreich oder Italien lag.

EGG: Dann kam also die Mehrheit der spanischen Juden aus den zum Judentum konvertierten Berbern?

SHS: Genauso ist es gewesen. Ich nehme mal ein anderes Beispiel, das der Juden im Jemen. Es gab auch ein jüdisches Königreich im Jemen, 120 Jahre lang, Ende des 5. Jahrhunderts und zu Beginn des 6. Jahrhunderts, als ein Stamm zum Judentum konvertierte.

EGG: Sie erwähnen auch das Königreich der Khasaren, eines Volkes mit Herkunft aus Zentralasien, welches zum Judentum konvertierte.

SHS: Mit den Khasaren geschah exakt dasselbe. Es war das Judentum und nicht die Juden, was sich ausdehnte. Die demographische viel zahlreichere Masse ist die der Khasaren.

Es ist kurios, dass der Zionismus die Bedeutung der Khasaren bis 1697 anerkennt und dies dann keine legitime These mehr ist.

EGG: Von den Khasaren stammen die aschkenazischen Juden Europas ab?

SHS: So ist es. Die Mongolen vertrieben die Khasaren nach Europa. Es kann nicht sein, dass die Juden Polens aus Deutschland kamen. Denn in Deutschland im 12. und 13. Jahrhundert gab es kaum ein paar hundert Juden. Und von daher kann es nicht geschehen, dass über Nacht drei Millionen Juden in Polen sind. Das ist einfach unmöglich.

Die Juden Polens und der anderen osteuropäischen Länder können nur von den Khasaren abstammen. Noch 1961 gab es einen angesehenen israelischen Historiker, der bestätigte, dass die Khasaren die Vorgänger der Juden Osteuropas waren. Somit akzeptierte man, dass sie nicht aus Deutschland kamen.

EGG: Ihre Theorie ist es, dass die enorme Mehrheit der Juden von heute nicht aus Palästina kommen, sondern aus anderen Völkern stammen, die sich zum Judentum konvertierten.

SHS: Genauso ist es. Aber es gibt eine weitere wichtige Frage. Wenn es denn keine Vertreibung in Palästina gab, wenn die Römer die Juden nicht vertrieben, – was geschah mit den Juden Palästinas?

Es gibt viele israelische Historiker, darunter Yitzhak ben Zvi, den zweiten Präsidenten von Israel, oder David ben Gurion, die bis 1929 bestätigen, dass die arabischen Palästinenser die wahren Abstammenden der Juden sind.

Prof. Dr. Shlomo Sand

Prof. Dr. Shlomo Sand

Diese These der meisten Zionisten wurde 1929 begraben. Noch 1918 schrieben Ben Zvi und Ben Gurion zusammen ein Buch, wo bestätigt wird, dass die Palästinenser die authentischen Abstammenden der Juden sind.

Trotzdem, so etwas heute zu sagen, ist ein Skandal!

EGG: Der Zionismus akzeptiert das nicht.

SHS: Man muss verstehen, dass es zwei Versionen des Nationalismus gibt: eine vom Fluss Rhein nach Westen, und eine andere vom Fluss Rhein nach Osten. In allen Teilen beginnt der Nationalismus mit einem ethnozentrischen rassistischen Phänomen.

Aber im Westen mündet er in eine zivile politische Bewegung. Demgegenüber überwiegt im Osten sein ethnozentrisches Wesen. In beiden Teilen gibt es Rassismus. In Frankreich bist du Franzose, wenn du die französische Staatsangehörigkeit hast, dank der republikanischen Werte.

Aber in Deutschland, selbst wenn du die Staatsangehörigkeit hast, bist du nicht unbedingt Deutscher.

In Polen, seit 1919, wenn du nichtkatholisch bist, dann bist du auch kein Pole. Der Zionismus wurde zwischen Deutschland und Polen geboren. Und deshalb erhielt er eine halb deutsche und halb polnische Form.

EGG: Aber ein Jude ist das Kind einer jüdischen Mutter.

SHS: Ja, nach dem religiösen Gesetz. Aber für den Zionismus ist das Judentum Volk und Nation. Man kann nicht eintreten und ebenso wenig austreten. Nur eintreten kann man, wenn du dich religiös konvertierst.

Der Zionismus war nicht religiös. Aber er benutzte die Religion. Denn er verfügte nicht über andere Mittel, um das Judentum einzugrenzen. Meine These ist, dass der Zionismus die ethnisch-religiösen Komponenten der Polen mit den ethnisch-biologischen der Deutschen zusammenbrachte und damit eine Art in sich abgeschlossenen Nationalismus schuf, der weder politisch noch zivil ist, wie es die westlichen Nationalismen sind.

EGG: Und was sind Ihre Prognosen für die Zukunft?

SHS: Heute bewahrt der Zionismus sein ethnisch-religiöses Wesen. Und ich glaube, dass dies den Staat Israel zerstören wird.

EGG: Warum?

SHS: Der Staat Israel sagt, dass er der Staat des jüdischen Volkes ist, und dass er ein demokratischer und jüdischer Staat ist. Und dies ist eine Quadratur des Kreises, ein Widerspruch.

Ein demokratischer Staat gehört allen seinen Bürgern. Ein Viertel der Bürger Israels sind nicht jüdisch. Aber der Staat sagt, dass er allein den Juden gehört. Es gibt Gesetze, die sagen, dass der Staat jüdisch ist. Und dass der Staat nicht Anderen offensteht.

Der Zionismus erkennt die nichtjüdischen „Israelis“ nicht an. Und dies kann so nicht weitergehen. Auch wenn Israel aus den besetzten Gebieten abzieht, wird es keine Ruhe geben.

Die Araber leben in einem Staat, der sagt, dass er nicht ihr Staat ist. In dessen Nationalhymne vom „jüdischen Geist“ gesungen wird. Wie lange kann diese Situation andauern?

Buchbesprechung (PFLP)

In diesem grundlegenden Werk – ein Bestseller in Israel und Frankreich – mistet der israelische Historiker und Professor für Geschichte an der Universität Tel Aviv, Shlomo Sand, den Augiasstall sowohl der traditionellen jüdischen wie auch der zionistischen Geschichtsschreibung aus.
Das Buch ist eine Herausforderung Israels heiligster Tabus.

Im Gegensatz zu den gängigen israelischen und jüdischen Auffassungen entstand die jüdische Diaspora Sand zufolge nicht aus der Vertreibung der antiken Judäer aus dem damaligen Palästina, sondern aus Konversionen zum Judentum von zahlreichen Römern, Griechen, Puniern and Angehörigen anderer Völker des Nahen und Mittleren Ostens.

Sands Beweisführung erschüttert die Grundfesten des Zionismus. Bis vor einem Jahrhundert nahmen die Juden ihre Identität vor allem in ihrer Religion wahr. Da dies dem aufkommenden Zionismus als nationale Bewegung nicht genügte, propagierten zionistische Ideologen die Idee, dass die Juden nicht nur eine Religionsgemeinschaft, sondern ein „ethnos“, eine Nation, seien und überzeugt werden müssten, aus dem „Exil“, in das sie vertrieben worden waren, als Antwort auf den Antisemitismus in ihr Ursprungsland zurückzukehren.

Sand entlarvt den Begriff einer einheitlichen jüdischen Nation – ein Hauptargument in der Rechtfertigung für die Schaffung eines jüdischen Staates – als Mythos, der mit dem Zionismus geboren wurde.
Der Historiker stützt sich dabei auf äusserst umfangreiches Quellenmaterial von der Antike bis zur Gegenwart sowie auf die jüngste archäologische Forschung. Er weist nach, dass die antiken Judäer nach ihren erfolglosen Aufständen gegen die römische Herrschaft (70 und 135 n.Chr.) nicht ins Exil getrieben wurden, sondern dass ihnen nur der Zugang zu Jerusalem einige Zeit verwehrt blieb. Wie aus der römischen Geschichte hervorgeht, hatten die Römer nie ein ganzes Volk exiliert.
Ausser einer kleinen Zahl von Kriegsgefangenen und Zivilisten, die versklavt wurden, blieb die grosse Mehrheit der Judäer in ihrem Land. Es gibt nach Sand keinerlei historische Quellen, die eine Vertreibung ins Exil nachweisen. Das Exil ist ein von den frühen Christen verbreiteter Mythos – eine Strafe Gottes für die Kreuzigung Christi, die die Juden zu ewiger Wanderschaft verurteilt.

Dieser Mythos verankerte sich tief im Bewusstsein der Völker und selbst der Juden. Wie bei Josephus Flavius (dem ersten jüdischen Historiographen und Zeitzeugen) nachzulesen ist, waren die im Land gebliebenen Judäer mehrheitlich Bauern.
Händler, Söldner, kulturelle Eliten bildeten eine Minderheit. Ein Teil der Bewohner Palästinas bekehrte sich im 4.Jh. zum byzantinischen Christentum, der Grossteil aber nach der arabischen Eroberung im 7.Jh. zum Islam. Die These, dass viele der heutigen Palästinenser die Nachfahren der damals zum Islam bekehrten Juden sind, wurde bereits 1918 von David Ben Gurion und dem späteren Präsidenten Ben Zwi in einem Buch veröffentlicht.
Nach der palästinensischen Revolte von 1929, die Ben Gurion zutiefst entsetzte, geriet diese These in Vergessenheit.

Wenn es nun aber keine Vertreibung und kein Exil gab, woher kamen die zahlreichen Juden, die in den Städten rund ums Mittelmeer und Vorderasiens lebten und Gemeinden gründeten?

Laut Sand war das Judentum seit dem 2.Jh eine stark proselytierende Religion. Unter der judeo-hellenischen Herrscherdynastie der Hasmonäer in Judäa, während eines Jahrhunderts der Unabhängigkeit (140 – 40 n.Chr.), wurden Nachbarstämme (Idumäer, Ituräer) mit mehr oder weniger Gewalt zum Judentum konvertiert.
Konversionen waren im ganzen Nahen Osten und im Mittelmeerraum häufig. Zahlreiche Hinweise auf das jüdischen Prolelytentum finden sich bei Josephus Flavius und bei lateinischen Autoren wie Strabon, Horaz, Seneca, Juvenal, Tacitus – nicht immer freundlich – und selbst in der jüdischen religiösen Literatur, d.h. im Talmud und der Mischna.

Der Sieg des Christentums setzte dem jüdischen Proselytismus aus Konkurrenzgründen zwar im Mittelmeerraum ein Ende, nicht aber in Randgebieten. So entstand im 5.Jh. ein jüdisches Königreich – Himyar – im heutigen Jemen. In arabischen Chroniken des 7.Jh. wird über judaisierte nordafrikanische Berberstämme berichtet, die zwar zuerst dem Islam Widerstand leisteten, aber im 8.Jh. eine führende Rolle in der Eroberung der spanischen Halbinsel innehatten und mit den Juden, die bereits seit Jahrhunderten dort lebten, die Grundlage für die jüdisch-arabische Kultur in Andalusien schufen.

Die bedeutendste, auch dokumentierte, Konversion war im 8.Jh. die der Khasaren, ein Turkvolk, dessen Königreich sich in Südrussland vom Schwarzen bis zum Kaspischen Meer erstreckte.
Es ist nicht klar, ob es sich bei der Konversion um das ganze Volk oder nur einen Teil handelte, bestimmt aber um den König, den Kagan, und die Elite. Jedenfalls wurden die Khasaren durch den Mongoleneinfall im 13.Jh. in die Ukraine gedrängt, wo sie sich mit den Juden aus den südslawischen Gebieten und den aus Deutschland nach Osteuropa eingewanderten Juden vermengten und im Laufe der Zeit deren Sprache, das Yiddische – eine aus hebräischen, slawischen und deutschen Dialekten bestehende Sprache – annahmen.

Das jüdische Viertel hiess z.B. im alten Kiew (ein Name türkischen Ursprungs) auch das der “kuzar”, „der Khasaren“. All diese pluralistischen Ursprünge der Juden – übrigens reichlich dokumentiert in unübersetzten amerikanischen historischen aber auch in israelischen hebräischen Abhandlungen und Monographien – finden keine Erwähnung in der offiziellen israelischen zionistischen Historiographie, die grosso modo am traditionellen Geschichtsbild der Juden als “ethnos” einheitlichen Ursprungs von der Antike über das „Exil“ bis zu „Rückkehr“ ins Gelobte Land festhält.

Interessanterweise stießen Shlomo Sands Thesen in Israel kaum auf Widerspruch. Tom Segev, einer der bekanntesten Journalisten und Historiker, fand das Buch „faszinierend und herausfordernd“.
Sand führt die Zurückhaltung seiner Historikerkollegen auf eine stillschweigende Zustimmung vieler zurück, für die das Unterrichtsfach „Jüdische Geschichte“ ein Kartenhaus ist.
In Israel ist die offizielle jüdische Geschichtslehre neuen Erkenntnissen aus der Forschung in Archäologie und Geschichte unzugänglich.

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